Interview mit Luca Gut: "Der Wechsel hat sehr gut geklappt"

  • 17.06.2020

Luca Gut, du bist seit dem 1. Juli 2019 Mitglied der Schiedsrichterkommission SFV in deiner Funktion als Leiter Ressort Nachwuchs, nachdem du per Ende 2018 deine Schiedsrichterkarriere in der Challenge League beendet hast. Wie ist dir dieser Wechsel vom Rasen in die Funktionärstätigkeit gelungen und wo gibt es Unterschiede?

Bei mir hat dieser Wechsel sehr gut geklappt. Nach fast zehn Jahren als Schiedsrichter der Swiss Football League wollte ich unbedingt im Kreis des aktiven Schiedsrichterwesens bleiben. Die Tätigkeit als Funktionär gefällt mir sehr gut. Die erste Saison ist natürlich sehr speziell gelaufen: Sie ist nach dem 1. Spieltag der Rückrunde aufgrund des Coronavirus leider abgebrochen worden. Ich hoffe nun sehr, dass eine derartige Situation nicht mehr vorkommt und dass alle wieder gesund und fit in die neue Saison starten können. Als aktiver Schiedsrichter ist man physisch und technisch auf die Spiele und auf die Trainings fokussiert und man versuchst immer, die gute Balance zwischen den Aspekten Familie und Arbeit zu finden. Als Leiter des Ressorts Nachwuchs ändert das Tätigkeitsfeld. Ich habe viele Sitzungen und Besprechungen zu führen. In Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern der Schiedsrichterkommission, den Ressort-Mitgliedern und dem Referee Department versuche ich mein Bestes zu geben, damit alle Voraussetzungen für allen Beteiligten gegeben sind. Ich fühle mich sehr glücklich, auch nach meiner aktiven Karriere eine wichtige und spannende Funktion im Schiedsrichterwesen ausüben zu dürfen.

Welche Aufgaben beinhaltet dein Amt als Leiter des Ressorts Nachwuchs?

Ich bin für das ganze SR Kader (Schiedsrichter, Schiedsrichter-Assistenten und Coaches) für die Meisterschaften der Promotion League, der 1. Liga Classic und des Programms «Referee-Academy» verantwortlich. Die Hauptaufgaben sind Sitzungen, das Prüfen der Aufgebote für die Spiele, Mailverkehr sowie Ausführung von Coachings und Analysen.

Welche Herausforderungen beschäftigen dich am meisten? Wo gibt es Probleme? Was läuft deiner Ansicht nach sehr gut?

Mein Hauptziel ist es, die besten Voraussetzungen für das gesamte Kader des Ressorts Nachwuchs zu schaffen, damit die einzelnen Tätigkeiten auf den Fussballplätzen mit bester Qualität für die davon betroffenen Mannschaften ausgeführt werden können. Dieses Ziel wird dank der engen Zusammenarbeit mit meinen Ressort-Mitgliedern und dem Referee Department des SFV ermöglicht. Im ersten Jahr gab es - mit Ausnahme des Coronavirus - keine besonderen Probleme, obwohl zum Teil die Verfügbarkeit der Kader im Zusammenhang mit dem Aufgebot während der Sommermonate schwierig war. Die Leistungen unserer Kader waren im Allgemeinen gut, ebenso die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.

Wie hast du die schwierige Zeit aufgrund der Corona-Problematik gemeistert? Wie habt ihr eure Schiedsrichter-Kader während dieser Zeit betreut?

Ich denke nicht, dass ich diese schwierige Zeit anders gemeistert habe als alle anderen. Ich habe die Vorgaben der Behörden umgesetzt und die persönlichen Kontakte ausserhalb meines Familienkreises vermieden, verbunden mit der Hoffnung, dass diese spezielle Zeit so rasch als möglich wieder endet. In Zusammenarbeit mit dem Referee Department haben wir versucht, unsere Kader trotz fehlender Spiele bei Laune zu halten. Wir haben mehrere E-Learning-Module, bestehend aus einem Theorieteil und einem kleinen Test, zur Verfügung gestellt.

Wie beurteilst du die Qualität der Schiedsrichter, Schiedsrichterassistenten und Coaches in deinem Bereich? Gibt es grosse Unterschiede im Vergleich zur Zeit, als du noch auf dieser Stufe als Schiedsrichter unterwegs warst?

Im Allgemein finde ich die Qualität des Kaders Ressort Nachwuchs hoch. Auch die Kandidaten der 1.Liga sind gut vorbereitet, was ein Zeichen der guten Qualität des Academy-Programms ist. Dies wird auch durch die wenigen «negativen» Rückmeldungen bestätigt, die ich von den Vereinen bekomme. Es ist schwierig, einen Vergleich zu meiner Zeit als aktiver Schiedsrichter zu ziehen. Damals wie heute gibt es in den Kadern einen guten Mix aus jungen, charismatischen und erfahrenen Schiedsrichtern und Schiedsrichter-Assistenten.

Wie stehst du zum VAR?

Zum VAR stehe ich sehr positiv. Ich finde es ein sehr gutes und nützliches Hilfsmittel für die Schiedsrichter, Schiedsrichter-Assistenten und natürlich auch für die Clubs, indem mögliche klare Fehler vermieden werden können. Auch das in der Schweiz angewendete VAR-Protokoll, mit dem nur klare und offensichtliche Fehler korrigiert werden, finde ich richtig und gut für den Fussball und alle Beteiligten.

Was wünscht du dir für die Zukunft in deiner Funktion und in Bezug auf deinen Kader?

Als Erstes natürlich, dass mein ganzer Kader inklusive deren Familien gesund bleibt und noch motivierter und fitter für die nächsten Herausforderungen zurück auf die Fussballplätze kommt. Für die Zukunft in meiner Funktion hoffe ich, dass «mein» Kader immer positiv bleibt und mit Freude die einzelnen Tätigkeiten, sei als Schiedsrichter, Schiedsrichter-Assistent oder Coach, ausführt, so dass wir als gesamtes Ressort Nachwuchs unsere Ziele erreichen. Unser Kader soll zufrieden mit den geschaffenen Bedingungen sein, welche die Weiterentwicklung in jeder Funktion anstrebt.

Was wünscht du dir für die Zukunft in Bezug auf das gesamte Schiedsrichterwesen in der Schweiz?

Auch dafür sind meine Wünsche sehr ähnlich. Ich wünsche allen, dass sie gesund und fit bleiben. Zusätzlich wünsche ich allen Schiedsrichtern, Schiedsrichter-Assistenten, Coaches und Funktionären im Schiedsrichterwesen viel Glück und Befriedigung in dieser sehr schönen und bereichernden Tätigkeit.

(SFV)

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