Livia Peng und der schnelle Weg in die NLA

  • 06.03.2020

Die noch nicht ganz 18-jährige Livia Peng ist seit dieser Saison Stammtorhüterin bei den FC Zürich Frauen und will mit dem Schweizer U-19-Nationalteam der Frauen die EM-Endrunde im nächsten August in Georgien erreichen.

La Manga ist eine beliebte Destination für die Winter- und Frühjahrsvorbereitung. Livia Peng weilt mit dem Schweizer U-19-Nationalteam dort und trifft in diesen Tagen in drei Testspielen auf Island, Frankreich und Italien. „Das Wetter ist bestens, die Bedingungen auch – und es sind viele Teams hier“, berichtet die Torhüterin der FC Zürich Frauen aus Südspanien. Etwa auch die U-19-Spielerinnen aus Schweden, die vom 8. bis 14. April Gastgeberinnen sind beim Turnier der Elite-Runde im Rahmen der EM-Qualifikation 2020. Die Schweiz wird dort stark gefordert sein, mit Spanien wartet ein weiterer Hochkaräter – und nur der Gruppensieger dieser Viererpoule, die von Serbien komplettiert wird, kann sich für die Endrunde im August in Georgien qualifizieren. „Das ist unser Ziel, auch wenn uns bewusst ist, dass das sehr schwierig wird. Aber ich bin optimistisch, dass wir das schaffen können“, sagt Livia Peng.

Dass sie guter Dinge ist, hat ein gutes Stück auch mit ihrer persönlichen Entwicklung zu tun. Im vergangenen Sommer erst wechselte sie definitiv ins Nationalliga-A-Team der FC Zürich Frauen – und nach dem kurzfristigen Abgang von Elvira Herzog in die deutsche Bundesliga sah sich die Bündnerin, die am 14. März erst 18 Jahre alt wird, plötzlich als Stammkeeperin wieder, die dann folgerichtig auch ihre Premiere in der UEFA Women’s Champions League feiern durfte. Gegen Minsk blieben die Zürcherinnen zwar auf der Verliererstrecke, dennoch stuft Livia Peng diese Spiele als bisherigen Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere ein, in ihrer Sprache war das ein „Riesen-Highlight“. 2700 Zuschauer kamen zum Heimspiel im Zürcher Letzigrund, eine Kulisse, die sie bis dahin noch nie erlebt hatte im aktiven Einsatz.

Livia Peng stammt aus Donat-Ems. Dort machte sie als junges Mädchen die ersten Schritte im Fussballclub von Ems. Eine Freundin hatte sie überredet, es einmal zu versuchen. Die Freundin hörte dann schon zwei Wochen später auf mit dem Fussball, Livia Peng hingegen war sofort fasziniert und lancierte eine eindrückliche Karriere. Nach anfänglichen Positionsrotationen stand sie irgendwann ins Tor, sie hatte kurz zuvor Handschuhe geschenkt bekommen, und fand sofort Gefallen an dieser Aufgabe. Als 12-Jährige traf sie in der Person von Romano Cabalzar auf einen Torhütertrainer, der ihre Laufbahn seither eng begleitet. Cabalzar brachte Livia Peng auch ins Team Südostschweiz, dort, wo die besten Talente zusammengefasst und speziell gefördert werden. Gleichzeitig schaffte sie es in die Credit Suisse Academy für Mädchen, die der Schweizerische Fussballverband in Biel betreibt. Calbazar ist ein wichtiger Ansprechpartner bis heute geblieben, obwohl er nun nicht mehr ihr Torhüterinnentrainer ist. „Ihm muss ich für meine sportliche Entwicklung am meisten danken und auch menschlich ist er eine wichtige Person für mich.“ Seit kurzem ist Cabalzar auch in den jüngsten Mädchen-Nachwuchsauswahlen des SFV eingebunden.

Bis im vergangenen Sommer spielte Livia Peng ausschliesslich mit Jungs zusammen. Nach der Zeit in Biel wechselte sie nach Zürich und begann dort im Sportgymnasium Rämibühl die nächste Stufe ihrer Ausbildung. Bis ins Jahr 2022 wird diese noch andauern, wie in Biel wohnt sie auch jetzt in Zürich die Woche über bei einer Gastfamilie. „Ich habe in dieser Hinsicht Glück, die Situationen waren für mich perfekt und ich hatte eigentlich nie Heimweh.“ In Zürich trainierte sie in den Frauenteams, zunächst in der U-21, später auch im Nationalliga-A-Team. Am Wochenende bestritt sie jeweils Abschlusstraining und Spieleinsatz mit einer Doppellizenz bei den Jungs im Team Südostschweiz – bis sie sich dann im vergangenen Sommer definitiv dem Frauenfussball zuwendete.

Livia Peng gehörte ab dem Frühjahr 2017 zu den Schweizer Nachwuchsauswahlen. Mit der U-17 spielte sie drei Qualifikationsturnier für die EM, einen Event verpasste sie verletzungsbedingt – an eine Endrunde reichte es der Schweizer Auswahl indessen nicht. Dies soll sich nun ändern, geht es nach Livia Peng. Der erste Eindruck der aktuellen U-19-Generation war unter Trainerin Nora Häuptle im vergangenen Herbst gut, die Spiele gegen Österreich, Lettland und Israel wurden alle ohne Gegentreffer gewonnen, in einer Partie kam Pengs Clubkollegin Viviane Kaspar zum Einsatz. Nun aber wird es auf der nächsten Qualifikationstufe ungleich anspruchsvoller. Aber Livia Peng ist keine junge Frau, die sich vor solchen Herausforderungen scheut.

Die Matur will sie in jedem Fall in Zürich abschliessen – bis dahin muss der Traum eines Auslandengagements noch zurückstehen. England wäre ihre bevorzugte Destination, aber das ist noch Zukunftsmusik. Dass ihre Perspektiven gut sind, dass weiss sie auch, seitdem sie in das Footura-Projekt des Schweizerischen Fussballverbandes eingebunden ist. Dort werden Spielerinnen mit Aussichten auf eine spätere Selektion ins A-Nationalteam der Frauen speziell betreut und gefördert.

(ds)

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