Riola Xhemaili: Den Traum stets vor Augen

  • 09.07.2020

Die 17-jährige Riola Xhemaili gehört zu den grössten Talenten im Land. Die trickreiche U-19-Nationalspielerin des FC Basel 1893 hat noch einiges vor in ihrer Karriere.

„Ich möchte im Ausland spielen und den Sprung ins A-Nationalteam geschafft haben.“ Eine erstaunlich klare Ansage einer 17-Jährigen, die gefragt wird, wo sie als Fussballerin in fünf Jahren stehen möchte. Wer Riola Xhemaili im persönlichen Austausch erlebt, der merkt schnell: Die FCB-Spielerin gibt keine Floskeln von sich, sie hält Wort und verfolgt zielstrebig ihren Traum – jenen, die Liebe zum Spiel mit dem Ball auf der grossen Bühne auszuleben.

Und dies, obwohl die Mittelfeldspielerin 2019/2020 ihre erste Saison mit der ersten Mannschaft der FC Basel Frauen gespielt hat – eine Spielzeit, die aufgrund der Corona-Pandemie ein abruptes Ende genommen hat. In der Meisterschaft auf Zwischenrang 3 klassiert und auch im Schweizer Cup noch im Titelrennen dabei, wurde die Saison der NLA-Frauen per Ende April definitiv abgebrochen. „Das ist aus sportlicher Sicht sehr schade. Wir haben monatelang Gas gegeben, hätten im Cup gute Chancen auf ein Weiterkommen gehabt und sicher auch in der Meisterschaft noch einiges rausgeholt.“ Das Training hat die Equipe von Sébastien Bader inzwischen wieder aufgenommen und Xhemaili freut sich auf die kommende Saison: „Am meisten auf das Spielfeeling im Ernstkampf und darauf, dass es wieder um etwas geht.“

Eingeschlagen hatte die Mittelfeldspielerin in der NLA-Equipe des FCB bereits, bevor sie überhaupt offiziell zum Team gehörte. Riola Xhemaili wuchs in Solothurn mit einer älteren Schwester und einem Zwillingsbruder auf – in einer ballbegeisterten Familie. Nicht nur der Vater, auch zwei Onkel waren Fussballer, einer kickte als Profi bei GC. Ihre eigenen ersten Ballerfahrungen erlebte sie aber nicht auf dem Rasen, sondern in der Halle – sie galt als Volleyballtalent. „Nach dem Volleyballtraining ging ich aber immer schnurstracks nach Hause, um mit meinem Bruder und Vater noch etwas zu kicken.“ Zwillingsbruder Rion spielte damals schon beim FC Solothurn. An einem Spiel ihres Bruders sah dessen Trainer Riola mit dem Ball am Fuss und lud sie prompt zu einem Training ein – der Einstieg bei den Solothurnern U-11-Jungs war die logische Folge.

„Rion und ich haben von der U-11 bis zur U-15 im selben Team gespielt, gemeinsam im Mittelfeld, das war super.“ Von Solothurn ging der Weg für Riola per Fördertraining weiter zum FC Basel, wo sie als einziges Mädchen überhaupt in einem männlichen FCB-Nachwuchsteam spielte. Die U-15 führte sie gar als Captain aufs Feld. „Ich bin Trainer Giuseppe Morello unglaublich dankbar, dass er mir dieses Vertrauen geschenkt hatte.“

Vom Tor bis zum Interview

Damit sind wir zurück in jener jüngeren Vergangenheit, in der Xhemaili als 15-Jährige erstmals in der Nationalliga A eingeschlagen hatte – zum Zeitpunkt, als sie noch in der U15 spielte, mit der sie danach auch die Saison beendete: Beim 2:1-Sieg gegen die YB-Frauen erlebte sie im Februar 2019 ein unglaubliches Debüt. „Ich hatte donnerstags und freitags mit den Frauen trainiert. Am Samstag stand ich 90 Minuten auf dem Platz, erzielte gleich mein erstes NLA-Tor und gab erstmals ein Interview – alles kam so unerwartet.“

Nun hat sie mit ihren 17 Jahren nicht nur den Schritt in die höchste Liga geschafft, sondern ist bereits zu einer Leaderin auf dem Platz gereift. Und hat trotz jungem Alter schon ein beeindruckendes Gefühl dafür, wann es im Team eine klare Ansage braucht und in welchen Momenten eine angespannte Situation gelöst werden muss. „Ich werfe dann gerne einen Spruch ein, damit im richtigen Moment wieder etwas Lockerheit in die Mannschaft kommt.“

Vom „Küken“ zur Leaderin

Diese besondere Gabe unterstreicht auch Sébastien Bader, seit 2020 Cheftrainer der FCB-Frauen. „Riola ist sehr clever und agil in der Spielauslösung, gleichzeitig kann sie mit ihrer physischen Kraft eine hohe Intensität ins Spiel bringen. Nebst ihrer Führungsqualität auf dem Platz sind auch ihre menschlichen Qualitäten vorbildlich.“

Wie Riola Xhemaili selbst mit der wachsenden Erwartung umgeht? „Ich wurde zu den FCB-Frauen geholt, um auf dem Platz den Unterschied zu machen und Titel zu holen. Ich bin eine Persönlichkeit, die mit Erwartungsdruck gut umgehen kann.“ Und das Team habe sie als „Küken“ von Beginn an bestens unterstützt. Xhemaili weiss aber auch, woran sie noch arbeiten möchte: „Ich kann Niederlagen nicht gut akzeptieren. Denn ich weiss, dass wir alle schlagen können, wenn wir alle dasselbe wollen.“

Auch neben dem Fussball habe sie sehr viel gelernt. Sie absolviert bei der Basler Kantonalbank eine Sportlerinnen-KV-Lehre und lebt neu alleine in einer kleinen Wohnung. Sie sei aber ein Familienmensch und geniesse die Familienzeit in Solothurn. Bruder Rion folgte seiner Zwillingsschwester übrigens ein Jahr später zum FC Basel, spielt aktuell in der U-18 und besucht die gleiche Sportklasse.

Hattrick in drei Minuten

Nicht nur der Start in die Premierensaison mit den FCB-Frauen verlief traumhaft, auch Xhemailis Debüt mit der Schweizer U-19-Auswahl sei „noch besser als im Traum“ gewesen. Beim 7:0-Kantersieg gegen Lettland am Turnier der ersten Qualifikationsphase im Oktober 2019 gelang ihr ein Hattrick – und dies binnen dreier Minuten. In der Zwischenzeit hat sie definitiv den Sprung in die U-19-Auswahl geschafft. Dass Riola Xhemaili dem Footura-Programm – dem individuellen Förderprogramm des SFV für Spielerinnen mit Potenzial fürs A-Nationalteam – angehört, unterstreicht ihren beeindruckenden Weg.

„Im Footura-Programm werden wir alle sehr intensiv und gut betreut. Auch während dem Corona-Lockdown standen wir permanent in Kontakt mit den Footura-Trainerinnen, hatten unsere abgestimmten Trainingspläne und wurden regelmässig gefragt, wie wir mit der Situation klarkommen.“ Diese Möglichkeiten seien nicht selbstverständlich, erzählt die 17-Jährige. Dank dem Footura-Programm wisse sie genau, wo sie stehe und woran sie arbeiten müsse. Und sie könne einmal pro Woche mit den U-17-Jungs des FCB trainieren, um optimal gefördert zu werden. „In Footura-Spielerinnen wird in allen Bereichen mehr investiert, dessen bin ich mir bewusst. Gleichzeitig wird natürlich auch mehr von uns erwartet – und das möchte ich mit meinen Leistungen zurückgeben.“

Die Solothurnerin hat ihre Ziele stets vor Augen und verfolgt sie sehr fokussiert, ohne aber die Bodenhaftung zu verlieren. „Ich bin sowohl auf National- als auch auf Clubebene sehr dankbar für die Strukturen, die mir geboten werden, und arbeite täglich weiter an meinem Traum.“

(AN/Foto: Keystone-SDA)

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