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EURO: Die Schweiz steht im Viertelfinal!

  • 28.06.2021

Das Team von Vladimir Petkovic gewinnt den Achtelfinal-Krimi in Bukarest gegen Weltmeister Frankreich im Penaltyschiessen 5:4 und trifft am Freitag im Viertelfinal in St. Petersburg auf Spanien.

Was für ein Spiel, was für ein Spektakel! Wahnsinn! Der Jahrhundert-Coup ist Tatsache! Die Schweiz schlägt im EM-Achtelfinal Weltmeister Frankreich und Yann Sommer avancierte zum Helden im Nationalstadion in Bukarest, als er den letzten Penalty von Kylian Mbappé parierte. Zuvor hatten alle neun Schützen getroffen, nachdem es nach 90 und 120 Minuten 3:3 gestanden hatte.

Nach Niederlagen in Penaltyschiessen an der WM 2006 und an der EM 2016 glückte der SFV-Auswahl ausgerechnet in dieser finalen Ausmarchung erstmals seit 67 Jahren der Einzug in den Viertelfinal eines grossen Turniers. Und weil dieser historische Vorstoss gegen niemanden Geringeren als Weltmeister Frankreich realisiert wurde, darf man die ganz grossen Vergleiche ziehen: Es ist der grösste Sieg der Schweizer in der Neuzeit des Fussballs, ja der grösste Coup sogar seit dem Triumph gegen Gross-Deutschland an der WM 1938.

Bereits früh war die SFV-Auswahl auf Kurs Richtung Viertelfinal, dem ersten seit 1954, gewesen. Sie war sofort im Spiel mit Leidenschaft und taktischer Intelligenz. Sie wusste genau, wo sie diesem scheinbar übermächtigen Gegner weh tun konnte: über die Seiten. So fiel auch das frühe Führungstor, als Steven Zuber von links flankte und in der Mitte den Kopf von Haris Seferovic fand, der sich im Duell mit Clément Lenglet magistral durchsetzte und den Ball wuchtig in die tiefe Ecke köpfte. Die Schweizer machten gerade vor der Pause nahezu alles richtig. Sie kämpften solidarisch, zogen sich nach Ballverlusten rasch und geordnet in die eigene Zone zurück und verteidigten mit einer kompakten Fünfer- und Viererreihe. Die Räume waren für die Franzosen zugestellt, Kylian Mbappé und Antoine Griezmann konnten nie Fahrt aufnehmen. Dass die Weltmeister in den ersten 45 Minuten keinen einzigen Schuss auf das Schweizer Tor brachten, ist ebenfalls Zeugnis dieses perfekten Schweizer Auftritts.

Ricardo Rodriguez bot sich in der 55. Minute die Chance zum 2:0, als er zu einem Penalty antreten durfte - und an Hugo Lloris scheiterte. Danach riss kurz der Faden im Spiel der Schweizer, was der Weltmeister eiskalt ausnutzte. Innerhalb von 102 Sekunden sorgte Karim Benzema mit einer Doublette für die Wende. Paul Pogba erhöhte mit einem Traumtor auf 3:1 - die vermeintlich Entscheidung.

Doch die Schweizer kämpften sich zurück. Haris Seferovic gelang der Anschlusstreffer nach einer sehenswerten Flanke von Kevin Mbabu erneut mit einem Kopfball, Mario Gavranovic rettete die Schweiz mit dem Ausgleich in der 90. Minute in die Verlängerung. Gavranovic, wie Mbabu in der Schlussphase eingewechselt, war mit einem präzisen Flachschuss von der Strafraumgrenze erfolgreich. Und als der Schiedsrichter die regulären 90 Minuten beendete, begleitete den Pfiff eine Standing Ovation der rund 25'000 Zuschauer im Bukarester Nationalstadion.

Je länger die Verlängerung aber dauerte, desto mehr nahm der Druck des Favoriten zu. Kylian Mbappé verzog seinen Schuss (110.), Nico Elvedi konnte einen Ball in höchster Not wegschlagen (112.). Und ein letzter Kopfball von Olivier Giroud wurde im Flug ein sicherer Fang von Torhüter Yann Sommer (119.). Dann hatte Granit Xhaka mit einem Freistoss aus 22 Metern auch noch eine letzte Gelegenheit für die Schweizer auf dem Fuss. Doch die Entscheidung fiel nicht in der Verlängerung.

Im Elfmeterschiessen trafen alle fünf Schweizer: Mario Gavranovic, Fabian Schär, Manuel Akanji, Ruben Vargas und Admir Mehmedi bevor Yann Sommer mit einer heldenhaften Parade den Schuss von Kylian Mbappé abwehren konnte. 

Die Schweiz trifft im Viertelfinal vom Freitag 2. Juli um 18 Uhr in St. Petersburg auf Spanien.

Stimmen nach dem Spiel:

Yann Sommer: "Ich bin mega stolz auf uns, auf die ganze Mannschaft. Die Franzosen waren stark, aber sie hatten einen Moment, in dem sie ein bisschen überheblich wurden. Wir hatten uns gesagt, dass wir bis zuletzt alles versuchen versuchen. Dass wir das jetzt geschafft haben, ist einfach unfassbar. Unfassbar."

Granit Xhaka: "Am Schluss kann ich nur sagen: Es ist ein unglaubliches Gefühl. Alle Schweizer können stolz sein. Gestern sagte ich, dass wir Geschichte schreiben werden. Die Mannschaft hat einen Charakter gezeigt. Wir glaubten daran, dass wir noch etwas reissen können, wenn wir das Anschlusstor schiessen. Allen muss bewusst sein, dass wir hier nicht einfach irgendeinen Gegner geschlagen haben, sondern Frankreich."

Haris Seferovic: "Wir sind glücklich, und es wird ein bisschen gefeiert, aber dann wollen wir für den nächsten Match bereit sein. Wir haben alle gefightet, wir haben Geschichte geschrieben, das haben wir."

Vladimir Petkovic: "Ich bin stolz auf diese Mannschaft, mit diesen 120 Minuten gegen den Weltmeister. Wir haben in den letzten Jahren immer auf einen Rückschlag reagiert, auch während dieses Spiels. Wir haben unser Spiel wie schon gegen die Türkei ein bisschen verändert."

Telegramm Schweiz- Frankreich 3:3 (3:3, 0:1) n.V., 4:5 i.P

(SFV/Keystone-SDA)

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