Aargauischer Fussballverband

Vom Paradies in die Hölle

von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Pommes und Bier. Dazu eine kühle Meeresbrise, die in dieser schwül-warmen Sommernacht den Schweiss auf der Stirn zumindest ein wenig trocknet. Die deutschen Urlauber hinter dem Aargauer Amateurfussballer Max geraten in Ekstase, als Mario Götze ihre deutsche Nationalmannschaft kurz vor Ablauf der Verlängerung zum WM-Titel schiesst. Soll er sich mitfreuen? Oder doch seiner traditionellen Deutschland-Antipathie freien Lauf lassen?

 

Was solls, immerhin sind ja die Argentinier die Leidtragenden, jene Gauchos, die die Schweizer Nati im Achtelfinal so unverdient aus dem Turnier geworfen haben, sagt sich Max, leert seine achte Flasche Bier, stellt sie zu den anderen sieben und gönnt sich noch einen Mitternachtssnack. Dann geht er langsam zu Bett. Obwohl, fit braucht Max am nächsten Tag ja nicht zu sein. Es sind sowieso wieder acht Stunden Strandchillen angesagt – so, wie die vergangenen 14 Tage auf Mallorca auch schon.

 

Am nächsten Morgen lässt Max sein nach zwei Wochen Nichtstun mittlerweile gut sichtbares Bäuchlein ein letztes Mal in der Sonne brutzeln, wobei er sich seinen Lieblingscocktail von der Strandbar gönnt. Der Trainingsstart zur neuen Saison in einer Woche scheint dabei ganz weit weg zu sein.

 

Wieder zu Hause in der Schweiz angekommen, trifft Max fast der Schlag. Die Waage zeigt erbarmungslos, dass er in den zwei Wochen Urlaub doch tatsächlich ganze sechs Kilo zugenommen hat. Höchste Zeit also, dass das Fussballtraining wieder beginnt.

 

Am nächsten Abend vor dem Garderobengebäude lächelt Max erleichtert. Seine Mannschaftskollegen haben es sich offenbar im Urlaub ebenfalls gut gehen lassen. Bei der Mehrheit ist jedenfalls ein kleines „Wohlstandsbäuchlein“ unübersehbar. Der Trainer tritt vor die Mannschaft und tut so, als würde ihm dies nicht auffallen. Nach einer kurzen Begrüssung wird zur Tat geschritten. Auf dem Trainingsplatz angekommen, schlucken Max und seine Kollegen leer: Der Trainer hat einen Parcours aufgestellt, der die Kondition der Hobbykicker wieder aufbauen soll – eine Übung scheint dabei schlimmer als die andere. Die braungebrannten Gesichter werden ganz blass. Als der Trainer dies bemerkt, meint er nur schadenfroh: „Tja Jungs, Urlaub vorbei!“

 

Nach zweistündigem Gang durch die Hölle inklusive 12-Minuten-Lauf liegt Max wie ein Maienkäfer mit ausgestreckten Armen und Beinen auf dem Rasen und ringt nach Luft. Seinen Mannschaftskameraden geht es nicht besser. Die nächsten Sommerferien, schwört sich Max, wird er im individuellen Höhen-Trainingslager in Davos verbringen. Mit kohlensäure-freiem Wasser und Gemüse.

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21.05.2019

Danijel Kovacevic (FC Klingnau)

Von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Nach durchzogener Vorrunde war auch der Start ins Jahr 2019 mit 2 Meisterschafts-Niederlagen und dem Cup-Out als Titelverteidiger im Viertelfinal beim Drittligisten Sarmenstorf für den FC Klingnau alles andere als berauschend. Dann aber drehten die Aaretaler so richtig auf, blieben in den darauffolgenden 7 Spielen ungeschlagen und holten deren 19 von 21 möglichen Punkten! Dieses Hoch gipfelte nun am vergangenen Spieltag mit dem Erklimmen der Tabellenspitze auf Kosten von Langzeit-Leader Kölliken. Können die Klingnauer Ihren Lauf bis zum Ende durchziehen? Wir haben FCK-Trainer Danijel Kovacevic im Rahmen der «drei ???» zur aktuellen Lage befragt.

1. Danijel Kovacevic, seit dem Cup-Out und den 2 Niederlagen zum Rückrunden-Start läuft es Ihrem Team richtig rund, zum Auftakt Ihrer Serie fügten sie dem damaligen Leader Kölliken am 18. Spieltag die erste Saison-Niederlage überhaupt zu. Worauf gründet diese markante Leistungssteigerung?
In der Wintervorbereitung standen viele unserer Leistungsträger aufgrund von Verletzungen und sonstigen Abwesenheiten nicht zur Verfügung. Wenn man nicht aus dem Vollen schöpfen kann, ist es normal, dass die ersten Rückrunden-Spiele sich als schwierig gestalten, damit mussten wir rechnen. Ich möchte aber festhalten, dass das Mannschaftsklima bei uns stets hervorragend war und wir uns auch nach Niederlagen nie aus der Ruhe bringen liessen.

2. Vor rund einem Monat betrug Ihr Rückstand auf Rang 1 noch 8 Punkte, nun grüsst der FC Klingnau von der Tabellenspitze. Welche Rolle behagt Ihnen besser? Jene des Jägers oder jene des Gejagten?
Die aktuelle Tabelle ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber als Jäger verspürt man deutlich weniger Druck, als wenn man von der Konkurrenz gejagt wird. Jeder möchte den Leader bezwingen, dies macht die Aufgabe bestimmt nicht einfacher. Die Nerven in einer solchen Situation unter Kontrolle zu halten gestaltet sich oft als extrem schwierig. Wir befinden uns nun erstmals in dieser Saison in dieser Situation, doch wir nehmen Spiel für Spiel, das nächste am kommenden Samstag in Rothrist wird ein echter Härtetest. Für sie wird es wohl die letzte Chance sein, noch ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitzureden.

3. Vor Kurzem gab der FC Klingnau bekannt, dass Sie Ihren im Sommer auslaufenden Vertrag in gegenseitigem Einvernehmen nicht verlängern werden. Was waren die Gründe für die Trennung?
In erster Linie waren sich alle Beteiligten einig, dass eine Veränderung der Mannschaft gut tun würde; ich bin nun seit dreieinhalb Jahren in Klingnau. Mittlerweile habe ich beim VfB Waldshut in der deutschen Bezirksliga unterschrieben, vom Niveau her würde ich sagen bewegt man sich da zwischen der 2. und 3. Liga in der Schweiz. Mir schwebte bereits im Winter ein «Tapetenwechsel» vor und als ich das Angebot von Waldshut erhielt, setzte ich mich mit der Vereinsführung zusammen. Dabei kamen wir gemeinsam zum Schluss, dass es an der Zeit ist, getrennte Wege einzuschlagen. Der Aufstieg und der Aargauer Meistertitel wäre natürlich ein perfektes Abschiedsgeschenk (schmunzelt).

12.09.2018

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