Aargauischer Fussballverband

Die Macht der Derbys

von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Zwei Spieltage vor Schluss präsentiert sich die 2. Liga regional im Aargau so spannend wie selten zuvor. An der Tabellenspitze liefern sich Lenzburg und Rothrist durch lediglich einen Zähler getrennt ein veritables Kopf-an-Kopf-Rennen um den Aufstieg, am Tabellenende zittern noch immer fünf Mannschaften innerhalb von vier Punkten um den Fall in die 3. Liga.

Am vergangenen Wochenende ging es somit praktisch auf jedem Platz noch um etwas. Der FC Windisch war dabei eines von fünf Teams, welches die Saison ruhig hätte ausklingen lassen können. Obwohl keine berauschende Spielzeit gespielt, liefen die Rot-Weissen nie richtig in Gefahr, gegen den Abstieg spielen zu müssen. Doch an diesem zweitletzten Spieltag gastierten sie nach verlorenem Cupfinal gegen Rothrist 48 Stunden zuvor erneut in Brugg und diesmal war der abstiegsbedrohte Rivale auch der Gegner – Derbytime also!

Gerade mal drei Kilometer trennen die beiden Sportanlagen von Brugg und Windisch voneinander. Dass die beiden Vereine nicht gerade eine innige Freundschaft verbindet, liegt auf der Hand. Die Tatsache, dass der FC Brugg sich noch mitten im Abstiegskampf befindet, machte die Aufgabe für die Windischer noch etwas reizvoller. Neben dem, dass man mit einem Derbysieg die Cupfinalniederlage etwas vergessen machen konnte, dem Rivalen eventuell einen entscheidenden Schubser in Richtung Liga 3 zu geben, tönte äusserst verlockend. Und so kam es dann auch: Dank einem Elfmetertreffer nach einer Stunde entführte Windisch tatsächlich drei Punkte aus dem Stadion Au.

Ein Derby hat für jeden Fussballfan eine besondere Bedeutung. Keine Niederlage ist so schmerzhaft - kein Sieg ist so schön. Und auch wenn es wie im Fall Windisch für den einen Verein um sportlich nicht mehr viel geht - in einem Derby wird nochmals alles gegeben. In der deutschen Bundesliga hat das 2007 Schalke 04 bitter am eigenen Leib erfahren müssen: Ausgerechnet beim Erzrivalen Borussia Dortmund verspielten die „Königsblauen“ die Tabellenführung und auch die Chance auf den Gewinn der ersten Deutschen Fussballmeisterschaft seit 49 Jahren. Im 129. „Revierderby“ bezog Schalke am vorletzten Spieltag eine 0:2-Niederlage in Dortmund (1:0 durch Alex Frei) und musste damit den späteren Meister VfB Stuttgart an die Tabellenspitze vorbeiziehen lassen (https://www.youtube.com/watch?v=6GnyEgsKq30). Für Dortmund war dank diesem Derbysieg eine eigentlich verkorkste Saison mit nur Schlussrang 9 auf quasi einen Schlag gerettet. 

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21.05.2019

Danijel Kovacevic (FC Klingnau)

Von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Nach durchzogener Vorrunde war auch der Start ins Jahr 2019 mit 2 Meisterschafts-Niederlagen und dem Cup-Out als Titelverteidiger im Viertelfinal beim Drittligisten Sarmenstorf für den FC Klingnau alles andere als berauschend. Dann aber drehten die Aaretaler so richtig auf, blieben in den darauffolgenden 7 Spielen ungeschlagen und holten deren 19 von 21 möglichen Punkten! Dieses Hoch gipfelte nun am vergangenen Spieltag mit dem Erklimmen der Tabellenspitze auf Kosten von Langzeit-Leader Kölliken. Können die Klingnauer Ihren Lauf bis zum Ende durchziehen? Wir haben FCK-Trainer Danijel Kovacevic im Rahmen der «drei ???» zur aktuellen Lage befragt.

1. Danijel Kovacevic, seit dem Cup-Out und den 2 Niederlagen zum Rückrunden-Start läuft es Ihrem Team richtig rund, zum Auftakt Ihrer Serie fügten sie dem damaligen Leader Kölliken am 18. Spieltag die erste Saison-Niederlage überhaupt zu. Worauf gründet diese markante Leistungssteigerung?
In der Wintervorbereitung standen viele unserer Leistungsträger aufgrund von Verletzungen und sonstigen Abwesenheiten nicht zur Verfügung. Wenn man nicht aus dem Vollen schöpfen kann, ist es normal, dass die ersten Rückrunden-Spiele sich als schwierig gestalten, damit mussten wir rechnen. Ich möchte aber festhalten, dass das Mannschaftsklima bei uns stets hervorragend war und wir uns auch nach Niederlagen nie aus der Ruhe bringen liessen.

2. Vor rund einem Monat betrug Ihr Rückstand auf Rang 1 noch 8 Punkte, nun grüsst der FC Klingnau von der Tabellenspitze. Welche Rolle behagt Ihnen besser? Jene des Jägers oder jene des Gejagten?
Die aktuelle Tabelle ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber als Jäger verspürt man deutlich weniger Druck, als wenn man von der Konkurrenz gejagt wird. Jeder möchte den Leader bezwingen, dies macht die Aufgabe bestimmt nicht einfacher. Die Nerven in einer solchen Situation unter Kontrolle zu halten gestaltet sich oft als extrem schwierig. Wir befinden uns nun erstmals in dieser Saison in dieser Situation, doch wir nehmen Spiel für Spiel, das nächste am kommenden Samstag in Rothrist wird ein echter Härtetest. Für sie wird es wohl die letzte Chance sein, noch ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitzureden.

3. Vor Kurzem gab der FC Klingnau bekannt, dass Sie Ihren im Sommer auslaufenden Vertrag in gegenseitigem Einvernehmen nicht verlängern werden. Was waren die Gründe für die Trennung?
In erster Linie waren sich alle Beteiligten einig, dass eine Veränderung der Mannschaft gut tun würde; ich bin nun seit dreieinhalb Jahren in Klingnau. Mittlerweile habe ich beim VfB Waldshut in der deutschen Bezirksliga unterschrieben, vom Niveau her würde ich sagen bewegt man sich da zwischen der 2. und 3. Liga in der Schweiz. Mir schwebte bereits im Winter ein «Tapetenwechsel» vor und als ich das Angebot von Waldshut erhielt, setzte ich mich mit der Vereinsführung zusammen. Dabei kamen wir gemeinsam zum Schluss, dass es an der Zeit ist, getrennte Wege einzuschlagen. Der Aufstieg und der Aargauer Meistertitel wäre natürlich ein perfektes Abschiedsgeschenk (schmunzelt).

12.09.2018

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