Aargauischer Fussballverband

Wenn Erfolgsdruck erdrückt

von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Wenn man sich bis dato umhörte, wer denn dieses Jahr von der 2. Liga regional in die 2. Liga interregional aufsteige, wurde meistens eine Mannschaft genannt: Der FC Lenzburg. Schon die gefühlte gesamte Saison Leader, schien das Team von Trainer Herbert Koitzsch eine Konstanz an den Tag zu legen, die es für einen Aufstieg eben braucht. Seit der 2:0-Niederlage in Rothrist vom vergangenen August (!) gewann man von den letzten 17 Partien deren 15, nur zweimal resultierte lediglich ein Remis - dies jedoch gegen die ärgsten Konkurrenten aus Rothrist und Wettingen.

Der Lenzburger Aufstiegsschnellzug schien also relativ ungebremst in Richtung 2. Liga interregional zu rasen. Doch der vergangene Spieltag wartete mit einer Überraschung auf: Die bis anhin so souveränen Lenzburger bissen sich am keck aufspielenden Aufsteiger aus Fislisbach die Zähne aus, sodass lediglich ein torloses Unentschieden resultierte. Und weil Rothrist wie auch Wettingen ihrerseits ihre Spiele gewannen, liegt Lenzburg vier Spieltage vor Schluss lediglich noch vier respektive einen Verlustzähler vor dem Verfolgerduo. Beginnen in der entscheidenden Phase der Meisterschaft den Lenzburgern nun die Knie zu zittern und verspielen Sie den schon fast sichergeglaubten Aufstieg quasi auf der Ziellinie? Ganz so weit ist es natürlich noch nicht. Doch die Aargauer Fussballfans dürfen sich auf ein ultraspannendes Saisonfinale freuen.

Auch wenn die Lenzburger momentan noch die Nase vorne haben: In den Saisonendspurten dieser Fussballwelt war in der Vergangenheit nicht selten zu beobachten, dass der vermeintliche Favorit in der Poleposition plötzlich die Lockerheit, die Unbekümmertheit und die Souveränität je näher das Saisonfinale rückt je mehr verliert. Der Druck von aussen nimmt zu, die Erwartungshaltung steigt und die Mannschaft verkrampft sich zusehends. Der Atem der Verfolger spürt sie im Nacken und nach einer bis dahin so souveränen Saison weiss sie: Eigentlich kann man jetzt nur noch verlieren.

Wie man am Druck zerbrechen kann, bewies in der deutschen Bundesliga Bayer Leverkusen in der Saison 1999/2000, als am letzten Spieltag ein Unentschieden beim bereits feststehenden Absteiger aus dem Münchner Vorort Unterhaching zur ersten Meisterschaft in der Vereinshistorie genügt hätte. Doch die Mannschaft um den damaligen Captain Michael Ballack hielt dem Druck nicht stand und verspielte mit einer 0:2-Pleite so die hervorragende Ausgangslage – Bayern München lachte sich ins Fäustchen (https://www.youtube.com/watch?v=HC7mjdffm54).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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21.05.2019

Danijel Kovacevic (FC Klingnau)

Von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Nach durchzogener Vorrunde war auch der Start ins Jahr 2019 mit 2 Meisterschafts-Niederlagen und dem Cup-Out als Titelverteidiger im Viertelfinal beim Drittligisten Sarmenstorf für den FC Klingnau alles andere als berauschend. Dann aber drehten die Aaretaler so richtig auf, blieben in den darauffolgenden 7 Spielen ungeschlagen und holten deren 19 von 21 möglichen Punkten! Dieses Hoch gipfelte nun am vergangenen Spieltag mit dem Erklimmen der Tabellenspitze auf Kosten von Langzeit-Leader Kölliken. Können die Klingnauer Ihren Lauf bis zum Ende durchziehen? Wir haben FCK-Trainer Danijel Kovacevic im Rahmen der «drei ???» zur aktuellen Lage befragt.

1. Danijel Kovacevic, seit dem Cup-Out und den 2 Niederlagen zum Rückrunden-Start läuft es Ihrem Team richtig rund, zum Auftakt Ihrer Serie fügten sie dem damaligen Leader Kölliken am 18. Spieltag die erste Saison-Niederlage überhaupt zu. Worauf gründet diese markante Leistungssteigerung?
In der Wintervorbereitung standen viele unserer Leistungsträger aufgrund von Verletzungen und sonstigen Abwesenheiten nicht zur Verfügung. Wenn man nicht aus dem Vollen schöpfen kann, ist es normal, dass die ersten Rückrunden-Spiele sich als schwierig gestalten, damit mussten wir rechnen. Ich möchte aber festhalten, dass das Mannschaftsklima bei uns stets hervorragend war und wir uns auch nach Niederlagen nie aus der Ruhe bringen liessen.

2. Vor rund einem Monat betrug Ihr Rückstand auf Rang 1 noch 8 Punkte, nun grüsst der FC Klingnau von der Tabellenspitze. Welche Rolle behagt Ihnen besser? Jene des Jägers oder jene des Gejagten?
Die aktuelle Tabelle ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber als Jäger verspürt man deutlich weniger Druck, als wenn man von der Konkurrenz gejagt wird. Jeder möchte den Leader bezwingen, dies macht die Aufgabe bestimmt nicht einfacher. Die Nerven in einer solchen Situation unter Kontrolle zu halten gestaltet sich oft als extrem schwierig. Wir befinden uns nun erstmals in dieser Saison in dieser Situation, doch wir nehmen Spiel für Spiel, das nächste am kommenden Samstag in Rothrist wird ein echter Härtetest. Für sie wird es wohl die letzte Chance sein, noch ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitzureden.

3. Vor Kurzem gab der FC Klingnau bekannt, dass Sie Ihren im Sommer auslaufenden Vertrag in gegenseitigem Einvernehmen nicht verlängern werden. Was waren die Gründe für die Trennung?
In erster Linie waren sich alle Beteiligten einig, dass eine Veränderung der Mannschaft gut tun würde; ich bin nun seit dreieinhalb Jahren in Klingnau. Mittlerweile habe ich beim VfB Waldshut in der deutschen Bezirksliga unterschrieben, vom Niveau her würde ich sagen bewegt man sich da zwischen der 2. und 3. Liga in der Schweiz. Mir schwebte bereits im Winter ein «Tapetenwechsel» vor und als ich das Angebot von Waldshut erhielt, setzte ich mich mit der Vereinsführung zusammen. Dabei kamen wir gemeinsam zum Schluss, dass es an der Zeit ist, getrennte Wege einzuschlagen. Der Aufstieg und der Aargauer Meistertitel wäre natürlich ein perfektes Abschiedsgeschenk (schmunzelt).

12.09.2018

Josef Schmölzer

19.08.2014

Kecke Aufsteiger

27.05.2014

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