Aargauischer Fussballverband

Faszination des Grauens

von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Wer im Fussball keine Titel gewinnt oder keinen Aufstieg schafft, hat, wenn es dem Saisonende entgegengeht, immer noch die Chance, etwas aus der Saison zu machen. Er muss nur im Abstiegskampf stehen – auch hier werden Helden geboren und Momente für die Ewigkeit geschaffen. Es ist die prickelnde „Meisterschaft der Schlechtesten“, in wenigen Minuten kann der Frust eines ganzen Jahres getilgt werden, und keiner fragt mehr, was vorher war. Hauptsache gerettet.

 

Einer dieser „Helden im Abstiegskampf“ könnte am Sonntag auf dem Sportplatz Ritzer in Küttigen geboren worden sein. Küttigen-Stürmer Tamerlan Frühauf sorgte mit seinem goldenen Tor gegen Gontenschwil zum 1:0-Sieg tief in der Nachspielzeit dafür, dass die abstiegsbedrohte Mannschaft von Trainer Rino Luongo erstmals seit langem nicht mehr am Tabellenende der 2. Liga steht und sich berechtigte Hoffnungen auf den Ligaerhalt machen kann. Nur einen Punkt beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer, Platz 11.

 

Auf diesem befindet sich momentan Beinwil am See. Doch auch Brugg (10.), welches letzten Samstag nach zuletzt sechs Partien mit nur einem Remis wieder zum Siegen zurückgefunden hat, ist genauso in den Abstiegskampf involviert wie der FC Koblenz (9.), der mit einem 2:1-Coup beim zweitplatzierten Rothrist am Samstag überraschte. Die schlechtesten Karten für den Ligaerhalt hat aktuell Oftringen mit nur 13 Zählern am Tabellenende. Fünf Mannschaften bei noch sechs beziehungsweise sieben ausstehenden Spielen durch lediglich fünf Punkte getrennt – das Saisonfinale um den Abstieg verspricht Hochspannung pur!

 

Den neutralen Beobachter freut diese spektakuläre Konstellation, auch wenn es für Spieler, Trainer und Funktionäre der involvierten Vereine Nervenkrieg höchsten Grades bedeutet. Eines der spektakulärsten Abstiegsdramen der jüngsten Vergangenheit im Profifussball dürfte sich 1999 in der deutschen Bundesliga zugetragen haben (im Bild: https://www.youtube.com/watch?v=Jd2vffUhSXg, im O-Ton: https://www.youtube.com/watch?v=nW5jiPvsDc8). Bleibt abzuwarten, ob sich der Abstiegskampf in der 2. Liga in der alles entscheidenden Phase ähnlich dramatisch entwickelt. Die Voraussetzungen dafür sind zweifellos gegeben.

 

 

 

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30.10.2019

Armando Granzotto (Präsident Wettspielkommission AFV)

Von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Die Aargauer Fussballfans bekamen in der abgelaufenen Hinrunde auf den hiesigen Sportplätzen wiederum packende Duelle, spektakuläre Spielzüge und schöne Tore geboten. In den 91 Hinrunden-Partien zappelte der Ball insgesamt 354 Mal im Netz, was im Schnitt fast 4 Treffer pro Spiel bedeutet. Die 2. Liga AFV ist aber nicht nur spektakulär – auch an Spannung mangelt es ihr bei Weitem nicht. An der Spitze der Tabelle konnte sich der FC Lenzburg zwar mit 6 Punkten Vorsprung etwas absetzen, dahinter befinden aber ein paar Teams in Lauerstellung! Weiter konnten die 3 Aufsteiger Fislisbach (6.), Schönenwerd-Niedergösgen (8.) und Sarmenstorf (11.) überzeugen und befinden sich allesamt über dem Strich. Im Rahmen der «drei ???» zieht Armando Granzotto, Wettspielkommissionspräsident des AFV, Bilanz zur Hinrunde.

1. Armando Granzotto, Sie wohnten wohl in jeder Runde mindestens einem 2.-Liga-Spiel bei – wie fällt Ihre persönliche Bilanz zur abgelaufenen Hinrunde aus?
Ich habe tatsächlich mindestens ein 2.-Liga-Spiel pro Runde gesehen, oft waren es 2, ab und zu sogar 3! Meine persönliche Bilanz fällt sportlich gesehen durchwegs positiv aus. Ich habe in dieser Vorrunde viele Partien gesehen, welche spielerisch auf einem hohen Niveau waren. Auch aus Sicht der Kontroll- und Disziplinarkommission macht die 2. Liga AFV momentan grosse Freude. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir in unserer höchsten Liga die wenigstens Probleme in Sachen Unsportlichkeit haben. Dies spricht aber auch für die Schiedsrichter und deren Assistenten. Etwas aussergewöhnlich ist zudem die Tatsache, dass sich im Axpo Aargauer Cup unter den letzten 8 Vereinen nur noch drei 2.-Ligisten befinden.

2. Wer zählt für Sie zu den positiven Überraschungen?
Zu den positiven Überraschungen zählt für mich ganz klar der FC Fislisbach. Obwohl das Kickoff-Spiel verloren ging, war für mich schon damals klar, dass diese Mannschaft eine gute Saison spielen wird. Mit Rang 6 als bester Aufsteiger hat sie meine Vorahnung in der Vorrunde dann auch bestätigt. Zudem ist für viele sicherlich der FC Sarmenstorf eine kleine Überraschung, nicht jedoch für mich. Trainer Michael Winsauer hat offensichtlich neuen Schwung in die Mannschaft bringen können und es ist extrem schwierig, im Bühlmoos gegen diese Truppe zu spielen. Sie spielen aggressiv und oft am Limit, aber immer im Rahmen des Erlaubten. Zudem verfügen sie mit Patrick Schmidt über einen sehr starken Torwart, was im Kampf gegen den Abstieg ein sehr grosses Plus sein kann. Dass der FC Lenzburg als Leader überwintert ist für mich die Folge von kontinuierlicher Arbeit im Verein. Die Mannschaft wirkt unter Trainer Emilio Munera sehr ausgeglichen und ich glaube, sie ist nicht von einzelnen Spielern abhängig, was ein grosser Vorteil ist. Trotzdem bin ich der Meinung, dass der FC Rothrist dem FC Lenzburg bis zum Schluss den Titel wird streitig machen können, auch wenn er am Dienstag beim FC Gränichen einen kleinen Dämpfer erlitt.

3. Wenn Sie sich etwas für die kommende Rückrunde wünschen könnten, was wäre das?
Ich wünsche mir für die Rückrunde eigentlich dasselbe wie vor jeder Saison, nämlich, dass sich möglichst wenig Spieler verletzen und sich alle, nicht nur die Spieler, sondern auch Trainer, Zuschauer und Funktionäre an die Regeln und Weisungen halten. Eigentlich wünschte ich mir zudem, dass jeder Trainer mit seiner Mannschaft die gesteckten Ziele erreicht. Da dies bekanntlich nicht möglich ist und es im Sport auch Verlierer geben muss, möchte ich an folgendes Zitat aus der Mongolei erinnern: "Der Sieger hat viele Freunde, der Verlierer hat gute Freunde!"
 

 

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