Aargauischer Fussballverband

Die herrlich verrückte Nachspielzeit

von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

91. Minute im 2.-Liga-Spitzenkampf Lenzburg – Rothrist vom letzten Wochenende: Wie ein Blitz schlägt der Ball im Rothrister Gehäuse ein. Eine riesige Jubeltraube begräbt Lenzburgs vermeintlichen Siegtortschützen Bruno Justino unter sich – das Fünf-Punkte-Polster auf Aufstiegskonkurrent Rothrist scheint geschafft. Doch Sekunden nach dem Wiederanpfiff gelingt Thomas Tsutis das Unglaubliche: Er trifft für Rothrist zum umjubelten 2:2-Ausgleich und setzt der wohl spektakulärsten Nachspielzeit der jüngeren Aargauer 2.-Liga-Geschichte die Krone auf.

„Ein Fussballspiel dauert  90 Minuten“, wusste bereits Deutschlands Trainerlegende Sepp Herberger. Doch sind es nicht die wenigen Minuten obendrauf, die die schönste Nebensache der Welt noch schöner machen? Die unbeschreiblichen Momente des Glücks, nachdem die Niederlage bereits Tatsache, der Meistertitel bereits verspielt oder der Abstieg bereits besiegelt schien?

Es sind genau jene Momente, die der Fussballfan sein Leben lang nicht mehr vergisst. Meist erinnert er sich noch Jahrzehnte daran zurück, welcher Spielzug seinem Lieblingsverein in letzter Sekunde die Trophäe bescherte und – wenn nicht im Stadion – an welchem Ort er Freudetränen vergoss oder wildfremde Menschen umarmte.

Wer erinnert sich nicht an die legendäre Nachspielzeit im Champions-League-Finale von 1999, als Manchester United dank zweier später Tore Bayern München den sichergeglaubten Titel in buchstäblich letzter Sekunde entriss (http://www.youtube.com/watch?v=n7WJ3mhnrFQ)? Oder als ebendiese „Red Devils“ 13 Jahre später selber erfahren mussten, wie bitter Nachspielzeiten sein können: Obwohl sie ihre Pflicht mit einem Sieg im letzten Spiel erfüllt hatten, wurden sie von Stadtrivale City im Meisterrennen auf der Zielgerade überholt, wobei die beiden entscheidenden Tore erst tief in der Nachspielzeit fielen (http://www.youtube.com/watch?v=Xy2ZUR71cVM). Aber auch die Bayern erlebten im Vergleich zum Finale vom 1999 die diametral andere Gefühlslage in einer Nachspielzeit. 2001 machten sie trotz Gegentor in der 90. Minute den Schalke 04 noch zum vielzitierten „Meister der Herzen“ (http://www.youtube.com/watch?v=I4B4paMdloI).

Unvergessen auch das „Wunder von Dortmund“ im letzten Jahr, als der BVB gegen Malaga in extremis den Einzug in den Champions-League-Halbfinal schaffte (http://www.youtube.com/watch?v=h8iX5aLCk64). Die verrückteste Nachspielzeit der  Schweizer Fussballgeschichte dürfte wiederum jene in der legendären „Finalissima“ von 2006 zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich gewesen sein, als Julian Filipescu in der 93. Minute mit seinem Siegtreffer den Zürchern den ersten Meistertitel seit 25 Jahren bescherte (http://www.youtube.com/watch?v=jvlvxbJu6wo).

Sei es nun in Dortmund, Basel, Manchester oder Lenzburg – entscheidende Tore in der Nachspielzeit haben etwas Magisches an sich. Für die Dinge, die in zusätzlichen drei, vier oder fünf Minuten passieren, gibt es keine Erklärungen. Doch die braucht es auch nicht, denn die Unvorhersehbarkeit des Fussballs ist mit ein Grund dafür, dass ihn Millionen Menschen auf der Welt abgöttisch lieben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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21.05.2019

Danijel Kovacevic (FC Klingnau)

Von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Nach durchzogener Vorrunde war auch der Start ins Jahr 2019 mit 2 Meisterschafts-Niederlagen und dem Cup-Out als Titelverteidiger im Viertelfinal beim Drittligisten Sarmenstorf für den FC Klingnau alles andere als berauschend. Dann aber drehten die Aaretaler so richtig auf, blieben in den darauffolgenden 7 Spielen ungeschlagen und holten deren 19 von 21 möglichen Punkten! Dieses Hoch gipfelte nun am vergangenen Spieltag mit dem Erklimmen der Tabellenspitze auf Kosten von Langzeit-Leader Kölliken. Können die Klingnauer Ihren Lauf bis zum Ende durchziehen? Wir haben FCK-Trainer Danijel Kovacevic im Rahmen der «drei ???» zur aktuellen Lage befragt.

1. Danijel Kovacevic, seit dem Cup-Out und den 2 Niederlagen zum Rückrunden-Start läuft es Ihrem Team richtig rund, zum Auftakt Ihrer Serie fügten sie dem damaligen Leader Kölliken am 18. Spieltag die erste Saison-Niederlage überhaupt zu. Worauf gründet diese markante Leistungssteigerung?
In der Wintervorbereitung standen viele unserer Leistungsträger aufgrund von Verletzungen und sonstigen Abwesenheiten nicht zur Verfügung. Wenn man nicht aus dem Vollen schöpfen kann, ist es normal, dass die ersten Rückrunden-Spiele sich als schwierig gestalten, damit mussten wir rechnen. Ich möchte aber festhalten, dass das Mannschaftsklima bei uns stets hervorragend war und wir uns auch nach Niederlagen nie aus der Ruhe bringen liessen.

2. Vor rund einem Monat betrug Ihr Rückstand auf Rang 1 noch 8 Punkte, nun grüsst der FC Klingnau von der Tabellenspitze. Welche Rolle behagt Ihnen besser? Jene des Jägers oder jene des Gejagten?
Die aktuelle Tabelle ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber als Jäger verspürt man deutlich weniger Druck, als wenn man von der Konkurrenz gejagt wird. Jeder möchte den Leader bezwingen, dies macht die Aufgabe bestimmt nicht einfacher. Die Nerven in einer solchen Situation unter Kontrolle zu halten gestaltet sich oft als extrem schwierig. Wir befinden uns nun erstmals in dieser Saison in dieser Situation, doch wir nehmen Spiel für Spiel, das nächste am kommenden Samstag in Rothrist wird ein echter Härtetest. Für sie wird es wohl die letzte Chance sein, noch ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitzureden.

3. Vor Kurzem gab der FC Klingnau bekannt, dass Sie Ihren im Sommer auslaufenden Vertrag in gegenseitigem Einvernehmen nicht verlängern werden. Was waren die Gründe für die Trennung?
In erster Linie waren sich alle Beteiligten einig, dass eine Veränderung der Mannschaft gut tun würde; ich bin nun seit dreieinhalb Jahren in Klingnau. Mittlerweile habe ich beim VfB Waldshut in der deutschen Bezirksliga unterschrieben, vom Niveau her würde ich sagen bewegt man sich da zwischen der 2. und 3. Liga in der Schweiz. Mir schwebte bereits im Winter ein «Tapetenwechsel» vor und als ich das Angebot von Waldshut erhielt, setzte ich mich mit der Vereinsführung zusammen. Dabei kamen wir gemeinsam zum Schluss, dass es an der Zeit ist, getrennte Wege einzuschlagen. Der Aufstieg und der Aargauer Meistertitel wäre natürlich ein perfektes Abschiedsgeschenk (schmunzelt).

12.09.2018

Josef Schmölzer

19.08.2014

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27.05.2014

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