Aargauischer Fussballverband

Ein Blick in die grosse, weite Fussballwelt: Georgien

In einer «Mini-Serie» schaut der AFV über den Aargauer Tellerrand hinaus und bat Aargauer Korrespondenten, die immer noch oder bis vor kurzem im Ausland lebten, um ein Essay zum Regionalfussball und zu den aktuellen Ereignissen im entsprechenden Land. Heute blicken wir rund 3000 Kilometer in den Osten, wo der Amateurfussball erst seit vier Jahren existiert.

So sehen Sieger aus: Das Team «Uqimerioni» aus Tiflis gewinnt die Amateurmeisterschaft 2019.

Von Fabio Bolognese aus Tiflis/ Georgien
Fussball auf Amateurebene steckt in Georgien noch in den Kinderschuhen: Die ersten entsprechenden Meisterschaften fanden erst 2016 statt. Zwei Jahre später erhielt der Georgische Fussballverband bereits einen Preis von der UEFA. Die internationale Auszeichnung ging an den «Amateur Cup», wie der Spielbetrieb für nicht-professionelle Teams in Georgien heisst. Organisiert wird er vom Georgischen Fussballverband (GFF) und der «Georgian Amateur Football Association» (GAFA). 2015 gegründet, hat die GAFA bei Null begonnen und in den vergangenen Jahren einiges erreicht. Heute organisiert sie landesweit den Spielbetrieb von 400 Mannschaften und 10’500 Fussballern.

Die Entwicklung des Fussballs sei aber nicht einzige Aufgabe der GAFA, erklärt deren Präsident Berdia Jibladze: «Wir möchten möglichst viele junge Menschen für den Fussball und einen gesunden Lebensstil begeistern», erklärt der Jurist, der der GAFA seit ihrer Gründung vorsteht.

11 regionale Amateurligen ermitteln den Meister
In jeder georgischen Region, was in der Schweiz einem Kanton entspricht, gibt es jeweils eine Regionalliga. Ein Spezialfall ist wegen ihrer Grösse die Hauptstadtregion Tiflis, wo es zwei Amateurligen gibt. Die 32 besten Mannschaften aus diesen total 11 Regionalligen ermitteln Ende Saison den Meister. Unterhalb dieser total 11 Amateurligen existieren noch 64 weitere Meisterschaften: In jeder Munizipalität, was in der Schweiz einem Bezirk entspricht, gibt es einen eigenen Spielbetrieb. Auf dieser Ebene werden die Sieger, anders als in den Regionalligen, in der Entscheidungsphase jedoch im Cup-Modus ermittelt.

Junioren, Senioren und Veteranen
Kategorien wie Senioren oder Veteranen gibt es in Georgien nicht. Dafür sei seine Organisation einfach noch zu jung, erklärt Berdia Jibladze: «In einem ersten Schritt wollten wir 2016 mit der Lancierung des Amateur Cups einfach mal Stabilität schaffen.» Dies sei der GAFA gelungen, so der Präsident. Jetzt gehe es darum, den Amateurfussball sukzessive weiterzuentwickeln. Dabei wolle er beim Nachwuchs ansetzen und entsprechende Juniorenligen ins Leben rufen – für Jungen und Mädchen. Bei den Erwachsenen spielen heute alle in einer Kategorie: vom 16-Jährigen bis zum 50 oder 60-Jährigen.

Trainingscamps für Mädchen
Besonders am Herzen liegt Jibladze der Frauenfussball. Obwohl es in Georgien ein Nationalteam und eine 12er-Liga gibt, sei noch sehr viel Arbeit nötig, sagt der GAFA-Präsident und meint damit auch die vielen Vorurteile, die im Land noch bestünden. Stolz ist er auf die Kampagne «#weplaystrong», mit der der Georgische Fussballverband regelmässig Trainingscamps für Mädchen in Tiflis und in den Regionen organisiert. Bald soll auch eine eigene Amateurliga für Frauen und Juniorinnen lanciert werden.

Breit abgestützte Finanzierung
Finanziert wird der georgische Amateurfussball durch verschiedene Institutionen und Organisationen, allen voran der georgische Fussballverband. Aber auch das staatliche Ministerium für Bildung und Sport unterstützt die Projekte der GAFA via den Georgian Football Development Fund. Weiter Gelder kommen von der Tbilisi City Hall und von den Mitgliedsbeiträgen der Vereine aus Tiflis.

Persönliche Optik:
Seit 2019 lebe ich in Georgien und betreibe dort das Reisebüro «MyCaucasus Travel». Je nach Optik ist Fussball oder Rugby die Sportart Nummer eins. Fussball wird von deutlich mehr Spielerinnen und Spielern betrieben, Rugby ist sehr populär, weil die Nationalmannschaft erfolgreich ist (beinahe in den Top-10 der Welt). Im Fussball liegt die Landesauswahl auf Platz 91 der Weltrangliste. Sollte sich Georgien mal für eine EM oder WM qualifizieren, würde dies eine riesige Begeisterungswelle entfachen, da bin ich mir sicher. Bei Länderspielen ist das Stadion aber schon jetzt immer randvoll. Die Ausgangslage ist vielversprechend: Für die erstmalige Qualifikation der EURO muss Georgien noch Weissrussland und den Sieger zwischen Nordmazedonien und Kosovo ausschalten.

Ich war erst einmal im Stadion, als Georgien im März 2019 in Tiflis vor 54’000 Zuschauern mit 0:2 der Schweiz unterlegen war. Als ehemaliger Stürmer, der beim SV Würenlos in der 2., 4. und 5. Liga gespielt hatte, verfolge ich lieber die Spiele meines Lieblingsvereins Inter Mailand – so wie es die meisten Georgier auch tun: Die Vereine aus den grossen vier Ligen in Europa und die Champions League faszinieren die Menschen im Kaukasus weit mehr als die heimische «Erovnuli Liga», deren Spiele meist vor wenigen hundert Zuschauern stattfinden. Vielleicht braucht Georgien einfach wieder mal einen neuen Kacha Kaladze. Der einstige Milan-Star ist heute übrigens Bürgermeister von Tiflis.

 

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30.10.2019

Armando Granzotto (Präsident Wettspielkommission AFV)

Von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Die Aargauer Fussballfans bekamen in der abgelaufenen Hinrunde auf den hiesigen Sportplätzen wiederum packende Duelle, spektakuläre Spielzüge und schöne Tore geboten. In den 91 Hinrunden-Partien zappelte der Ball insgesamt 354 Mal im Netz, was im Schnitt fast 4 Treffer pro Spiel bedeutet. Die 2. Liga AFV ist aber nicht nur spektakulär – auch an Spannung mangelt es ihr bei Weitem nicht. An der Spitze der Tabelle konnte sich der FC Lenzburg zwar mit 6 Punkten Vorsprung etwas absetzen, dahinter befinden aber ein paar Teams in Lauerstellung! Weiter konnten die 3 Aufsteiger Fislisbach (6.), Schönenwerd-Niedergösgen (8.) und Sarmenstorf (11.) überzeugen und befinden sich allesamt über dem Strich. Im Rahmen der «drei ???» zieht Armando Granzotto, Wettspielkommissionspräsident des AFV, Bilanz zur Hinrunde.

1. Armando Granzotto, Sie wohnten wohl in jeder Runde mindestens einem 2.-Liga-Spiel bei – wie fällt Ihre persönliche Bilanz zur abgelaufenen Hinrunde aus?
Ich habe tatsächlich mindestens ein 2.-Liga-Spiel pro Runde gesehen, oft waren es 2, ab und zu sogar 3! Meine persönliche Bilanz fällt sportlich gesehen durchwegs positiv aus. Ich habe in dieser Vorrunde viele Partien gesehen, welche spielerisch auf einem hohen Niveau waren. Auch aus Sicht der Kontroll- und Disziplinarkommission macht die 2. Liga AFV momentan grosse Freude. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir in unserer höchsten Liga die wenigstens Probleme in Sachen Unsportlichkeit haben. Dies spricht aber auch für die Schiedsrichter und deren Assistenten. Etwas aussergewöhnlich ist zudem die Tatsache, dass sich im Axpo Aargauer Cup unter den letzten 8 Vereinen nur noch drei 2.-Ligisten befinden.

2. Wer zählt für Sie zu den positiven Überraschungen?
Zu den positiven Überraschungen zählt für mich ganz klar der FC Fislisbach. Obwohl das Kickoff-Spiel verloren ging, war für mich schon damals klar, dass diese Mannschaft eine gute Saison spielen wird. Mit Rang 6 als bester Aufsteiger hat sie meine Vorahnung in der Vorrunde dann auch bestätigt. Zudem ist für viele sicherlich der FC Sarmenstorf eine kleine Überraschung, nicht jedoch für mich. Trainer Michael Winsauer hat offensichtlich neuen Schwung in die Mannschaft bringen können und es ist extrem schwierig, im Bühlmoos gegen diese Truppe zu spielen. Sie spielen aggressiv und oft am Limit, aber immer im Rahmen des Erlaubten. Zudem verfügen sie mit Patrick Schmidt über einen sehr starken Torwart, was im Kampf gegen den Abstieg ein sehr grosses Plus sein kann. Dass der FC Lenzburg als Leader überwintert ist für mich die Folge von kontinuierlicher Arbeit im Verein. Die Mannschaft wirkt unter Trainer Emilio Munera sehr ausgeglichen und ich glaube, sie ist nicht von einzelnen Spielern abhängig, was ein grosser Vorteil ist. Trotzdem bin ich der Meinung, dass der FC Rothrist dem FC Lenzburg bis zum Schluss den Titel wird streitig machen können, auch wenn er am Dienstag beim FC Gränichen einen kleinen Dämpfer erlitt.

3. Wenn Sie sich etwas für die kommende Rückrunde wünschen könnten, was wäre das?
Ich wünsche mir für die Rückrunde eigentlich dasselbe wie vor jeder Saison, nämlich, dass sich möglichst wenig Spieler verletzen und sich alle, nicht nur die Spieler, sondern auch Trainer, Zuschauer und Funktionäre an die Regeln und Weisungen halten. Eigentlich wünschte ich mir zudem, dass jeder Trainer mit seiner Mannschaft die gesteckten Ziele erreicht. Da dies bekanntlich nicht möglich ist und es im Sport auch Verlierer geben muss, möchte ich an folgendes Zitat aus der Mongolei erinnern: "Der Sieger hat viele Freunde, der Verlierer hat gute Freunde!"
 

 

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