Aargauischer Fussballverband

Ein Blick in die grosse, weite Fussballwelt: Mexiko

In einer «Mini-Serie» schaut der AFV über den Aargauer Tellerrand hinaus und bat Aargauer Korrespondenten, die immer noch oder bis vor kurzem im Ausland lebten, um ein Essay zum Regionalfussball und zu den aktuellen Ereignissen im entsprechenden Land. Heute sagen wir «Hola Mexico»!

Die Spieler vom "Hereos de Zaci F.C." nach dem Gewinn des Titels der "Tercerea Division" 2018/19.

Von Kevin Bossard aus Mexiko City
Der Amateurfussball in Mexiko ist nicht mit jenem in der Schweiz zu vergleichen. Verbandsstrukturen, wie man sie in der Schweiz kennt, sind nicht gegeben. Trotzdem wird überall und zu jederzeit gekickt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: In Mexiko hat der Weltfussball mehrmals Geschichte geschrieben.

Im nördlichsten Land Lateinamerikas ist König Fussball allgegenwärtig – täglich begegnet man in Bus und Metro vielen Einheimischen mit Utensilien ihres Herzensvereins. In beinahe jedem Restaurant, auch den gut betuchten, flimmern die Live-Spiele über die teilweise dutzenden Bildschirme, sodass aus jedem Winkel des Lokals die Partien verfolgt werden können.

Jedoch klafft eine grosse Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit betreffend der hiesigen fussballerischen Qualität. Dies gilt sowie für das Nationalteam «El Tri» als auch für die nationale Liga. Mexikaner schielen gerne auf die grossen Fussballnationen aus Europa und Südamerika. Wenn ich mich mit meinen mexikanischen Freunden dann aber detailliert über den Fussball unterhalte wird klar, dass mehr Realismus vorhanden ist, als im ersten Moment zugegeben wird. Schweren Herzens wird erwähnt, dass man sich wohl eher mit Fussballnationen wie der Schweiz, Japan oder Kolumbien vergleichen muss.

Wo sich einst Maradona und Matthäus im WM-Finale gegenüberstanden
Und trotzdem ist Fussball in Mexiko die unangefochtene Sportart Nummer eins. Sei es das aktive Spielen, das Verfolgen der nationalen Liga oder auch die legendären Geschichten, welche der Weltfussball in Mexiko schrieb. Es gibt wohl wenige Fussballstadien weltweit, welche das Prädikat «legendär» so verdienen wie das Aztekenstadion in Mexiko City. Dieses wurde Schauplatz von erstaunlich vielen epischen WM-Spielen. Es ist die einzige Sportstädte, an welchem gleich zwei WM-Endspiele absolviert wurden. Hier standen sich 1970 Pelé und Luigi Riva gegenüber, als sich eine der wohl besten brasilianischen Mannschaften aller Zeiten gegen müde Italiener durchsetzte. Müde Italiener, weil diese sich nur wenige Tage zuvor an gleicher Spielstädte im sogenannten «Jahrhundertspiel» nach 120 nervenaufreibenden Minuten und 4:3 Toren, davon 5 in der Verlängerung, gegen die spielerisch überlegenen Deutschen für den Final qualifizierten.

16 Jahre später, wiederum im Aztekenstadion, bediente sich Diego Armando Maradona gegen die Engländer der «Hand Gottes» und schoss keine fünf Minuten später das Jahrzehnte danach von der FIFA gekürte «schönste Tor der WM-Geschichte». Im selben Turnier führte der geniale kleine Argentinier seine «Albiceleste» gegen Lothar Matthäus und die deutsche Nationalelf vor über 114'000 frenetischen Zuschauern zum vorerst letzten Weltmeistertitel Argentiniens.

Und auch ich wurde bei meinem ersten Aztekenstadion-Besuch sofort in den Bann dieses riesigen Sporttempels gezogen. Wenn sich hier der Club América aus Mexiko City und die «Chivas» aus Guadalajara im «Clasico del Fútbol Mexicano» duellieren, steigt der Lärmpegel ins Unermessliche. Ich durfte schon dutzende Topspiele in Deutschland, Spanien, Italien und England besuchen. Qualitativ mögen diese Spiele einiges mehr bieten. Betreffend Leidenschaft auf den Zuschauerrängen können die europäischen Fans meiner Meinung nach aber mit ihren lateinamerikanischen Pendants nicht mithalten. Hier gibt es keine Fankurve wie in Europa, wo sich die eingefleischten Fans tummeln. Das ganze Stadion ist Kurve.

Das Aztekenstadion in Mexico City.

Unübersichtlich organisierter Amateurfussball
Beim lokalen Amateurfussball bin ich diesem Heissblut aktuell noch nicht begegnet. Die Spiele sind sehr fair und nur selten kochen die Emotionen hoch. Das liegt aber sicherlich auch daran, dass ich in einer Liga mit überschaubarer Qualität spiele. Sehr überrascht war ich bei unserem ersten Spiel, als auch in unseren niedrigen Ligen Linienrichter anzutreffen waren. Nebst dem ist das Mass an Organisation der Verbände jedoch nicht mit jenem aus der Schweiz zu vergleichen. Auf unzähligen Kunstrasenfeldern stehen sich in der 20-Millionen-Metropole Abend für Abend hunderte Mannschaften gegenüber. Nach Abpfiff betreten jeweils sogleich die nächsten Teams das Spielfeld.

Der Amateurfussball ist hier in 32 regionale Verbände unterteilt. Unser Verband ist jener des «Distrito Federal». Nebenbei gibt es weitere Verbände, welche parallel ihre eigenen Amateurligen organisieren. Wir zum Beispiel spielen jeweils dienstags in der offiziellen Verbandsliga und sonntags in einem weiteren Verband, der ebenfalls über vier Ligen verfügt. Nebenbei gibt es hier in Mexiko City viele sogenannte «Foot5» oder «Foot7» Ligen. Wie der Name beschreibt, spielen dabei je fünf oder sieben Akteure auf einem kleinen Feld mit Banden gegeneinander. Auch dies wird durch einen wiederum zusätzlichen Verband organisiert. Diese Spielform geniesst hier viel Popularität und kann mit Bolzplatzfussball in Europa verglichen werden.

Mexikos Profiligen setzen Auf- und Abstiege 5 Spielzeiten aus
Aktuell ruht aber aufgrund der Corona-Krise auch auf sämtlichen mexikanischen Fussballplätzen der Ball. Die hiesige Bevölkerung hat aktuell wohl grössere Probleme, weil hier der Grossteil der Menschen keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung oder Sozialwerken wie einer Arbeitslosenkasse haben. Vor allem aus Gesprächen mit lokalen Taxifahrern erfahre ich jedoch, dass der breiten Öffentlichkeit der Profi- wie auch der Amateurfussball sehr fehlt. Es bleibt nur zu hoffen, dass so schnell wie möglich wieder Normalität einkehrt und wir wieder gegen das runde Leder treten können.

Die mexikanischen Profiligen ihrerseits haben bereits weitreichende Massnahmen aus der Corona-Krise getroffen und für die kommenden fünf Spielzeiten den Auf- und Abstieg ausgesetzt. Hiermit sollen die durch die Krise geschwächten Vereine finanziell entlastet werden, indem ihnen etwas der Erfolgsdruck genommen wird. Ein interessanter Ansatz – ich bin gespannt, ob dieses oder ein ähnliches Modell in anderen Verbänden ebenfalls Schule machen wird.

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30.10.2019

Armando Granzotto (Präsident Wettspielkommission AFV)

Von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Die Aargauer Fussballfans bekamen in der abgelaufenen Hinrunde auf den hiesigen Sportplätzen wiederum packende Duelle, spektakuläre Spielzüge und schöne Tore geboten. In den 91 Hinrunden-Partien zappelte der Ball insgesamt 354 Mal im Netz, was im Schnitt fast 4 Treffer pro Spiel bedeutet. Die 2. Liga AFV ist aber nicht nur spektakulär – auch an Spannung mangelt es ihr bei Weitem nicht. An der Spitze der Tabelle konnte sich der FC Lenzburg zwar mit 6 Punkten Vorsprung etwas absetzen, dahinter befinden aber ein paar Teams in Lauerstellung! Weiter konnten die 3 Aufsteiger Fislisbach (6.), Schönenwerd-Niedergösgen (8.) und Sarmenstorf (11.) überzeugen und befinden sich allesamt über dem Strich. Im Rahmen der «drei ???» zieht Armando Granzotto, Wettspielkommissionspräsident des AFV, Bilanz zur Hinrunde.

1. Armando Granzotto, Sie wohnten wohl in jeder Runde mindestens einem 2.-Liga-Spiel bei – wie fällt Ihre persönliche Bilanz zur abgelaufenen Hinrunde aus?
Ich habe tatsächlich mindestens ein 2.-Liga-Spiel pro Runde gesehen, oft waren es 2, ab und zu sogar 3! Meine persönliche Bilanz fällt sportlich gesehen durchwegs positiv aus. Ich habe in dieser Vorrunde viele Partien gesehen, welche spielerisch auf einem hohen Niveau waren. Auch aus Sicht der Kontroll- und Disziplinarkommission macht die 2. Liga AFV momentan grosse Freude. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir in unserer höchsten Liga die wenigstens Probleme in Sachen Unsportlichkeit haben. Dies spricht aber auch für die Schiedsrichter und deren Assistenten. Etwas aussergewöhnlich ist zudem die Tatsache, dass sich im Axpo Aargauer Cup unter den letzten 8 Vereinen nur noch drei 2.-Ligisten befinden.

2. Wer zählt für Sie zu den positiven Überraschungen?
Zu den positiven Überraschungen zählt für mich ganz klar der FC Fislisbach. Obwohl das Kickoff-Spiel verloren ging, war für mich schon damals klar, dass diese Mannschaft eine gute Saison spielen wird. Mit Rang 6 als bester Aufsteiger hat sie meine Vorahnung in der Vorrunde dann auch bestätigt. Zudem ist für viele sicherlich der FC Sarmenstorf eine kleine Überraschung, nicht jedoch für mich. Trainer Michael Winsauer hat offensichtlich neuen Schwung in die Mannschaft bringen können und es ist extrem schwierig, im Bühlmoos gegen diese Truppe zu spielen. Sie spielen aggressiv und oft am Limit, aber immer im Rahmen des Erlaubten. Zudem verfügen sie mit Patrick Schmidt über einen sehr starken Torwart, was im Kampf gegen den Abstieg ein sehr grosses Plus sein kann. Dass der FC Lenzburg als Leader überwintert ist für mich die Folge von kontinuierlicher Arbeit im Verein. Die Mannschaft wirkt unter Trainer Emilio Munera sehr ausgeglichen und ich glaube, sie ist nicht von einzelnen Spielern abhängig, was ein grosser Vorteil ist. Trotzdem bin ich der Meinung, dass der FC Rothrist dem FC Lenzburg bis zum Schluss den Titel wird streitig machen können, auch wenn er am Dienstag beim FC Gränichen einen kleinen Dämpfer erlitt.

3. Wenn Sie sich etwas für die kommende Rückrunde wünschen könnten, was wäre das?
Ich wünsche mir für die Rückrunde eigentlich dasselbe wie vor jeder Saison, nämlich, dass sich möglichst wenig Spieler verletzen und sich alle, nicht nur die Spieler, sondern auch Trainer, Zuschauer und Funktionäre an die Regeln und Weisungen halten. Eigentlich wünschte ich mir zudem, dass jeder Trainer mit seiner Mannschaft die gesteckten Ziele erreicht. Da dies bekanntlich nicht möglich ist und es im Sport auch Verlierer geben muss, möchte ich an folgendes Zitat aus der Mongolei erinnern: "Der Sieger hat viele Freunde, der Verlierer hat gute Freunde!"
 

 

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