Aargauischer Fussballverband

"Mission erfüllt" - der FC Klingnau ist Aargauer Meister!

Erstmals in seiner bald 70-jährigen Vereinshistorie hat der FC Klingnau den Aargauer Meistertitel geholt und steigt in die 2. Liga interregional auf. Die Aaretaler gewinnen das letzte Spiel in Lenzburg und krönen damit eine fast schon beispiellose Aufholjagd.


Die Klingnauer bejubeln den Gewinn des Aargauer Meistertitels nach dem 3:2-Sieg in Lenzburg. Bild: Franz Schefer

Der Saisonverlauf des FC Klingnau liest sich nicht unbedingt wie jener eines Aufsteigers. Die Vorrunde schloss die Mannschaft von Trainer Danijel Kovacevic zwar auf Rang 2 ab – der Rückstand auf den zu diesem Zeitpunkt ungeschlagenen Leader aus Kölliken betrug 6 Punkte. Dieser sollte aber nach zwei Niederlagen zum Rückrunden-Auftakt Ende März auf satte 10 Zähler anwachsen. «Kölliken müssen wir vergessen», konstatierte Cheftrainer Kovacevic damals nach der 1:4-Niederlage beim FC Mutschellen Ende März.

«Ich wollte meiner Mannschaft etwas den Druck nehmen», sagt der 39-Jährige heute. Eine Taktik, die sich ausbezahlen sollte, denn nach 4 Punkten aus den folgenden 2 Partien fügten die Klingnauer Mitte April dem Spitzenreiter Kölliken die erste Saisonniederlage überhaupt zu und verkürzten die Hypothek auf die Westaargauer auf 7 Punkte. «Von diesem Moment an war der Glaube im gesamten Verein zurück», sagt Kovacevic. «Jeder einzelne der Jungs waren ‘am brennen’ und ich weiss nicht, welcher Gegner hätte kommen müssen, um uns in unserer Topform schlagen zu können.»

9 Siege in Folge zum Schluss
Was nach dem Schlüsselerfolg gegen Kölliken folgte, ist in der Tat beeindruckend: Der FCK gestaltete sämtliche seiner restlichen 8 Meisterschaftspartien siegreich und übernahm einen Spieltag vor Schluss mit 2 Punkten Vorsprung die Tabellenspitze der schwächelnden Kölliker. Deren Formkurve verhielt sich diametral anders im Vergleich zu jener der Klingnauer: In der Vorrunde mit 10 Siegen aus 13 Spielen und keiner einzigen Niederlage noch äusserst souverän aufgetreten, holte man in der Rückrunde lediglich noch 20 von 39 möglichen Punkten – Klingnau brachte es auf deren 31. «Unser Aufstieg ist auch aufgrund der Unkonstanz der Kölliker möglich geworden, da muss man ehrlich sein», sagt Kovacevic.

Eine starke Rückserie scheint im Aaretal langsam zur Tradition zu werden: Bereits letzte Saison spielte man eine eher mittelmässige Hinserie, ehe man in der Folge die Muskeln spielen liess, 12 Siege aneinanderreihte und erst am letzten Spieltag in der Finalissima am späteren Aargauer Meister Eagles Aarau scheiterte. «Wir wussten, dass wir in der Rückrunde immer deutlich stärker sind, so war es auch dieses Jahr. Der Staff und ich haben auch in den schwierigeren Momenten stets an den Aufstieg geglaubt!», betont Kovacevic.

Thaqaj krönt sich zum Torschützenkönig
Der Triumph der Nordaargauer ist durchaus verdient. Seit dem Aufstieg in die 2. Liga AFV 2015 waren sie nie schlechter als auf Rang 3 klassiert, die vergangenen beiden Spielzeiten wurden jeweils auf dem 2. Platz abgeschlossen. Nun ist der FC Klingnau also der erste Verein aus dem Zurzibiet überhaupt, der in eine überregionale Liga aufsteigt. Grossen Anteil daran hatte neben Baumeister Kovacevic, der zum Deutschen Bezirksligisten VfL Waldshut wechseln und durch Gianluca Pasanisi ersetzt wird, vor allem auch Shqiprim Thaqaj. Der Stürmer, der in seiner Karriere über 200 Partien in der 1. Liga absolviert hatte, erzielte mit nicht weniger als 30 Toren über einen Drittel der insgesamt 84 Klingnauer Saisontreffer und holte sich damit knapp vor Rothrists Volkan Karaboga die Torschützen-Krone (siehe Torschützen-Klassement unten). Auch beim 3:2-Sieg im letzten Spiel in Lenzburg traf er früh zum wegweisenden 1:0. 


Aufstiegsgaranten: Shqiprim Thaqaj (l.) und Nexhdet Gusturanaj erzielten zusammen 48 Saisontore. (Bild: A. Crippa)

Der AFV erreicht Thaqaj auf dem Fahrrad im Fitnesscenter. «Es ist zwar Sommerpause, doch ich habe mir gegen Lenzburg leider eine leichte Zerrung eingefangen und muss etwas auslaufen», sagt der ehemalige Spieler von unter anderen Brugg, Baden und Muri, um schmunzelnd anzufügen: «Mit bald 34 Jahren schmerzt alles ein bisschen mehr als früher». Ob er anfangs Rückrunde trotz grossem Rückstand auf Kölliken noch an den Aufstieg geglaubt habe? «Nein, ehrlichgesagt überhaupt nicht. Wir wollten uns nach der schwierigen Phase sammeln und noch eine bestmögliche Platzierung erreichen. Dass es nun aber ganz nach oben gereicht hat, ist doch sehr überraschend.»

Bleibt Thaqaj den Klingnauern erhalten?
Neben dem Aargauer Meistertitel freut sich Thaqaj auch über seine persönliche Auszeichnung als Torschützenkönig der 2. Liga AFV. «Eigentlich war mir das nicht so wichtig. Doch in den letzten paar Spielen schaut man dann halt doch, ob der Konkurrent getroffen hat», gesteht der 33-Jährige. «Wenn ich noch 20 Jahre jung wäre, wäre die Bedeutung für mich noch viel grösser. Doch auch so bin ich stolz auf das, was ich erreicht habe und so meinen Beitrag zum Aufstieg leisten konnte.» Thaqaj wird an der Aargauer Fussball-Nacht am 23. November geehrt werden.

Vor 2 Jahren wechselte Thaqaj vom FC Muri aus der 1. Liga ins Aaretal. Doch wie sieht seine Zukunft aus? «Damals kam ich nach Klingnau in die regionale 2. Liga, da ich den Aufwand und die Reisestrapazen nicht mehr auf mich nehmen wollte», sagt der 33-Jährige, der verheiratet ist und bald Vater wird. «Zu Beginn war mein Auftrag klar: den Verein in die 2. Liga interregional zu führen. Nachdem es letztes Jahr knapp nicht gereicht hatte, kann ich jetzt sagen: ‘Mission erfüllt!’» Für ihn gab es eigentlich nie Zweifel, dass er im Falle eines Aufstiegs den Verein auf jeden Fall verlassen werde, das habe er der Vereinsführung auch so kommuniziert. Ganz so leicht macht es sich Thaqaj dann aber doch nicht: «Ich muss es mir nochmals genauestens überlegen und mit meiner Frau diskutieren. Die Truppe hat sich zu einer derart verschworenen Einheit entwickelt, sodass mir ein Abschied wirklich sehr schwer fallen würde.» Eine Entscheidung dürfe man in den kommenden zwei bis drei Wochen erwarten.

Ein Heimspiel gegen Aarau zum 70. Geburtstag
Einer, der Klingnau definitiv in Richtung Deutschland verlassen wird, ist Trainer Kovacevic. Trotz ein wenig Wehmut überwiegt bei ihm aber ganz klar die Freude und der Stolz: «Jeder Abschied schmerzt, so ist der Fussball. Aber wenn man so wie ich mit einem Cupsieg (2018, Anm.d.Red.) und nun einem Meistertitel als Krönung gehen kann, lässt das keine Wünsche offen.» Den Aufstieg gefeiert haben Trainer, Staff und Mannschaft am Samstag nach dem Spiel in Lenzburg im Restaurant «Fischerstube» in Döttingen. «Es war ein schlicht perfekter Abend», frohlockt Kovacevic.

Nach den wohlverdienten Ferien wird der FC Klingnau am 6. Juli den FC Aarau zu einem Testspiel anlässlich des 70. Geburtstages des Vereins empfangen. Das schönste Geschenk zu diesem Jubiläum hat man sich mit dem ersten Aargauer Meistertitel der Vereinsgeschichte gleich selber gemacht. (Jonas Manouk)

Abschlusstabelle der 2. Liga AFV Saison 2018/19

1.

FC Klingnau

26

19

1

6

(58)

84

:

46

58

2.

FC Kölliken

26

16

5

5

(120)

55

:

30

53

3.

FC Suhr

26

13

7

6

(72)

66

:

48

46

4.

FC Mutschellen

26

13

6

7

(55)

62

:

45

45

5.

FC Rothrist

26

14

3

9

(56)

81

:

46

45

6.

FC Othmarsingen

26

12

5

9

(104)

57

:

57

41

7.

FC Gontenschwil

26

10

6

10

(42)

44

:

50

36

8.

FC Niederwil

26

11

2

13

(77)

52

:

53

35

9.

FC Lenzburg

26

10

4

12

(51)

53

:

47

34

10.

FC Gränichen

26

9

7

10

(65)

37

:

44

34

11.

FC Oftringen

26

7

9

10

(84)

41

:

52

30

12.

FC Frick

26

8

3

15

(53)

47

:

66

27

13.

FC Mellingen

26

4

3

19

(67)

35

:

85

15

14.

FC Aarau 2

26

2

7

17

(45)

40

:

85

13


Torschützenklassement 2. Liga AFV Saison 2018/19

Tore 

Spielername

Verein

30

Thaqaj Shqiprim

FC Klingnau

29

Karaboga Volkan

FC Rothrist

22

Zeqiraj Gezim

FC Othmarsingen

19

Ceker Ahmet

FC Suhr

18

Gusturanaj Nexhdet

FC Klingnau

 

Pfyl Roger

FC Mutschellen

15

Bayazi Noaim

FC Suhr

 

Skopljak Dejan

FC Rothrist

14

Merendino Vincenzo 

FC Mutschellen

 

Sieber Dominik

FC Oftringen

13

Salemi Andrea

FC Aarau

12

Etter Andreas

FC Mellingen

10

Leuthard Raphael

FC Frick

 

Polat Güven

FC Suhr

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30.10.2019

Armando Granzotto (Präsident Wettspielkommission AFV)

Von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Die Aargauer Fussballfans bekamen in der abgelaufenen Hinrunde auf den hiesigen Sportplätzen wiederum packende Duelle, spektakuläre Spielzüge und schöne Tore geboten. In den 91 Hinrunden-Partien zappelte der Ball insgesamt 354 Mal im Netz, was im Schnitt fast 4 Treffer pro Spiel bedeutet. Die 2. Liga AFV ist aber nicht nur spektakulär – auch an Spannung mangelt es ihr bei Weitem nicht. An der Spitze der Tabelle konnte sich der FC Lenzburg zwar mit 6 Punkten Vorsprung etwas absetzen, dahinter befinden aber ein paar Teams in Lauerstellung! Weiter konnten die 3 Aufsteiger Fislisbach (6.), Schönenwerd-Niedergösgen (8.) und Sarmenstorf (11.) überzeugen und befinden sich allesamt über dem Strich. Im Rahmen der «drei ???» zieht Armando Granzotto, Wettspielkommissionspräsident des AFV, Bilanz zur Hinrunde.

1. Armando Granzotto, Sie wohnten wohl in jeder Runde mindestens einem 2.-Liga-Spiel bei – wie fällt Ihre persönliche Bilanz zur abgelaufenen Hinrunde aus?
Ich habe tatsächlich mindestens ein 2.-Liga-Spiel pro Runde gesehen, oft waren es 2, ab und zu sogar 3! Meine persönliche Bilanz fällt sportlich gesehen durchwegs positiv aus. Ich habe in dieser Vorrunde viele Partien gesehen, welche spielerisch auf einem hohen Niveau waren. Auch aus Sicht der Kontroll- und Disziplinarkommission macht die 2. Liga AFV momentan grosse Freude. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir in unserer höchsten Liga die wenigstens Probleme in Sachen Unsportlichkeit haben. Dies spricht aber auch für die Schiedsrichter und deren Assistenten. Etwas aussergewöhnlich ist zudem die Tatsache, dass sich im Axpo Aargauer Cup unter den letzten 8 Vereinen nur noch drei 2.-Ligisten befinden.

2. Wer zählt für Sie zu den positiven Überraschungen?
Zu den positiven Überraschungen zählt für mich ganz klar der FC Fislisbach. Obwohl das Kickoff-Spiel verloren ging, war für mich schon damals klar, dass diese Mannschaft eine gute Saison spielen wird. Mit Rang 6 als bester Aufsteiger hat sie meine Vorahnung in der Vorrunde dann auch bestätigt. Zudem ist für viele sicherlich der FC Sarmenstorf eine kleine Überraschung, nicht jedoch für mich. Trainer Michael Winsauer hat offensichtlich neuen Schwung in die Mannschaft bringen können und es ist extrem schwierig, im Bühlmoos gegen diese Truppe zu spielen. Sie spielen aggressiv und oft am Limit, aber immer im Rahmen des Erlaubten. Zudem verfügen sie mit Patrick Schmidt über einen sehr starken Torwart, was im Kampf gegen den Abstieg ein sehr grosses Plus sein kann. Dass der FC Lenzburg als Leader überwintert ist für mich die Folge von kontinuierlicher Arbeit im Verein. Die Mannschaft wirkt unter Trainer Emilio Munera sehr ausgeglichen und ich glaube, sie ist nicht von einzelnen Spielern abhängig, was ein grosser Vorteil ist. Trotzdem bin ich der Meinung, dass der FC Rothrist dem FC Lenzburg bis zum Schluss den Titel wird streitig machen können, auch wenn er am Dienstag beim FC Gränichen einen kleinen Dämpfer erlitt.

3. Wenn Sie sich etwas für die kommende Rückrunde wünschen könnten, was wäre das?
Ich wünsche mir für die Rückrunde eigentlich dasselbe wie vor jeder Saison, nämlich, dass sich möglichst wenig Spieler verletzen und sich alle, nicht nur die Spieler, sondern auch Trainer, Zuschauer und Funktionäre an die Regeln und Weisungen halten. Eigentlich wünschte ich mir zudem, dass jeder Trainer mit seiner Mannschaft die gesteckten Ziele erreicht. Da dies bekanntlich nicht möglich ist und es im Sport auch Verlierer geben muss, möchte ich an folgendes Zitat aus der Mongolei erinnern: "Der Sieger hat viele Freunde, der Verlierer hat gute Freunde!"
 

 

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