Analyse der VAR-Premiere in der Schweiz

Die Analyse der ersten Meisterschaftsrunde der Raiffeisen Super League zeigt, dass in der ersten Runde der Saison 2019/2020 - im Vergleich zu den Testrunden der Saison 2018/19 - überdurchschnittlich viele Szenen vom VAR in Volketswil beurteilt werden mussten.

Die Verantwortlichen sind sehr zufrieden mit der VAR-Premiere in der Schweiz. Insbesondere gab es in allen fünf Spielen in der RSL keine technischen Probleme - alles funktionierte einwandfrei. Dies nicht zuletzt dank den intensiven Vorbereitungsarbeiten und Tests seit dem Oktober 2018.

Im Bereich der VAR-Interventionen wird folgendes Fazit gezogen:

  1. Die schwierigste Szene des 1. Spieltags ereignete sich in St. Gallen beim Spiel gegen Luzern. Nach dem dynamischen Fusseinsatz des Abwehrspielers Nr. 3; Luzern gegen Nr. 11; St. Gallen pfeift der SR Penalty. Der VAR überprüft die Information des SR, der mitgeteilt hat, dass er einen Kontakt im Fussbereich wahrgenommen hat und demzufolge ein Foul des Abwehrspielers im Strafraum. Der VAR findet aber nach der Analyse der Fernsehbilder keine Bestätigung der Aussage des SR. Er kann keinen Kontakt ausmachen, sieht stattdessen, dass die Nr. 11; St. Gallen theatralisch fällt. Daher empfiehlt der VAR dem SR eine On-Field Review. Dies mag unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse regeltechnisch nachvollziehbar sein, ist aber trotzdem nicht im Sinne des VAR-Projekts. Denn einerseits lassen die Bilder zwar keinen Kontakt erkennen – was mehr für eine Simulation/Schwalbe spricht. Andererseits ist aber auf der Grundlage der zur Verfügung stehenden Fernsehbilder auch nicht völlig auszuschliessen, dass die Nr. 11; St. Gallen von seinem Gegenspieler, der mit hohem Risiko zum Ball ging, getroffen wurde. Es handelt sich daher nicht um einen klaren und spielentscheidenden Fehler. Die Intervention des VAR hätte unterbleiben müssen. 
  2. Die zweite VAR-Intervention im gleichen Spiel erfolgt völlig zurecht. Der St. Galler Torwart begeht ein klares Foul. Er kommt Sekundenbruchteile zu spät, und während der Stürmer eher mit dem Kopf am Ball ist, trifft der Torwart mit beiden Fäusten statt des Balles unzweifelhaft, ausschließlich und heftig den Kopf des Angreifers. Der ausbleibende Pfiff des SR ist ein klarer und offensichtlicher Fehler, der unerlaubte Einsatz des Torhüters muss mit einem Penalty und einer Verwarnung geahndet werden.

Die Verantwortlichen des Projekts VAR werden auch die nächsten Runden weiter intensiv analysieren. «Intensiv und kontrovers diskutierte Szenen werden wir gegenüber allen Fussball-Interessierten danach wiederum gern auflösen», verspricht Dani Wermelinger, der Chef der Schweizer Spitzenschiedsrichter, und bilanziert zum Schluss: «Sehr vieles klappte bereits in der ersten Runde sehr gut. Das ist umso erfreulicher, als dass es gerade bei den Spielen am Freitag und Samstag zahlreiche knifflige Entscheidungen für die Schiedsrichterteams in den Stadien und im technischen Zentrum zu treffen gab»

Die Infrastruktur funktionierte einwandfrei
Aus technischer Sicht durfte das VAR-Projektteam, bestehend aus Vertretern der Swiss Football League (SFL) und des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), nach der ersten Spielrunde feststellen, dass alle technischen und organisatorischen Abläufe des neuen Systems einwandfrei funktionierten. Dazu gehören die Bildübertragung vom Stadion in den Video Operation Room (VOR) und zurück, das neu eingeführte Kommunikationssystem zwischen Schiedsrichter und VAR sowie die Information für die Zuschauer in den Stadien und vor dem Fernseher. Dennoch wird es in nächsten Wochen und Monaten darum gehen, weitere Erfahrungen zu sammeln und die verschiedenen Abläufe zu optimieren.

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