Kevin Rüegg: Ein Mann der zweiten Chance

  • 29.03.2018

Der 19-jährige Kevin Rüegg hat sich beim FC Zürich als Mittelfeldspieler einen regelmässigen Platz erspielt und ist seit vergangenem Jahr auch Schweizer U-21 Nationalspieler. Auf seinem bisherigen Weg hatte er die eine oder andere Hürde zu überwinden.

«Ein Traum ist wahr geworden», sagt Kevin Rüegg gleich am Anfang. Dass er, der vor nicht allzu langer Zeit eine schwierigere Phase in seiner noch jungen Karriere hatte durchleben müssen, im vergangenen Sommer seinen ersten Vertrag als Fussballprofi unterzeichnen konnte und beim FC Zürich als fester Bestandteil des Personals im Team der Super League zu zählen ist, das sieht er als «nicht selbstverständlich an». Und natürlich hat das auch seine Hintergründe. Anhaltende Rückenprobleme hatten ihm im Jahr 2015 arg zu schaffen gemacht, er ging von Arzt zu Arzt, niemand konnte ihm die Ursache seiner Schmerzen so richtig erklären, bis er auf eine Physiotherapeutin stiess, die dem Übel auf den Grund kam. Die tiefe Bauchmuskulatur war bei Kevin Rüegg zu wenig stark ausgebildet und verursachte die Schwierigkeiten. Mit den verordneten Therapieübungen liessen die Sorgen nach – Rüegg war wieder bereit zum Angriff. Er erhielt quasi seine zweite Chance.

Der schnelle Aufstieg
Die nutzte er mit einem geradlinigen Aufstieg innerhalb des Clubs. Er kam in die U-21, machte im Sommer 2016 gegen Galatasaray sein erstes Testspiel mit der ersten Mannschaft von Uli Forte, war für den FCZ in der UEFA Youth League im Einsatz und fand im Frühjahr 2017 den Weg ins Team des damaligen Trainers Uli Forte, das in der Challenge League den sofortigen Wiederaufstieg in die Super League anstrebte. Am 26. Februar 2017 bestritt er beim 4:1-Auswärtssieg des FCZ beim FC Wohlen sein erstes Meisterschaftsspiel für die Zürcher. An der Seite von Gilles Yapi agierte er im zentralen Mittelfeld. Im Sommer unterzeichnete er seinen ersten professionellen Vertrag, bis 2020 mit Option auf eine weitere Saison. In der laufenden Saison änderte sich wenig an seinem erarbeiteten Status. Rüegg wurde auch in der Super League regelmässig eingesetzt, oft über die vollen 90 Minuten. Daran änderte auch der Trainerwechsel von Forte zu Ludovic Magnin nichts.

Vom Hand- zum Fussball
Eigentlich hätte ja Kevin Rüegg ein Handballer werden sollen. So sahen es zumindest seine Eltern vor, der Vater ein Schweizer, die Mutter aus Kamerun. Mit sechs Jahren ging er zur Probe in ein Handballtraining. Kurze Zeit kam der FC Greifensee. Dort ging er nach der verpassten Handballlektion in sein erstes Fussballtraining und fand – bei seiner zweiten Chance – sofort Gefallen. Er erinnert sich noch an sein erstes Turnier bei den F-Junioren, als er und seine Kollegen sich aufwärmten und er plötzlich die Frage in den Raum stellte, wann sie denn jetzt endlich ins Stadion einlaufen würden. Erst da realisierte er, dass der Kinderfussball irgendwo auf einer Wiese und nicht vor 20'000 Zuschauern wie die Spiele am Fernseher stattfindet. Als er mit zehn Jahren mit dem FC Greifensee gegen die Grasshoppers spielte, stand am Spielfeldrand ausgerechnet ein Beobachter des FC Zürich. Er sah Kevin Rüegg und lud ihn zu einem Probetraining ein. Rüegg musste noch ein zweites Mal antanzen. Diese zweite Chance, mal wieder, nutzte er und stieg beim FC Zürich in die U-11 ein. Dort durchlief er alle Nachwuchsstufen und wurde auch zum Schweizer Nationalspieler. U-15, U-16 und mit der U-17 nahm er 2014 sogar an der EM-Endrunde in Malta teil.

Ausbildung in Emmen
Kurz vor jener EM-Endrunde hatte für Kevin Rüegg ein besonderer Lebensabschnitt geendet. Er absolvierte die Credit Suisse Football Academy in Emmen, besuchte dort die Schule, trainierte, wohnte die Woche über bei einer Gastfamilie und kehrte nur am Wochenende zu den Aktivitäten des FC Zürich und zur eigenen Familie zurück. Auch das war so eine Art zweite Chance, hatte er sich doch schon fast für die Sportschule «K+S» Zürich entschieden, sah dann aber im Umfeld von Emmen die noch etwas besseren Entwicklungsmöglichkeiten. In Emmen stiess er erstmals auf Heinz Moser, den heutigen Auswahlverantwortlichen des SFV, der Rüegg die Chance eröffnete, sich in der ältesten Nachwuchsauswahl zu etablieren. Die Premiere feierte Rüegg im EM-Qualifikationsspiel am 5. September 2017 in Rumänien (1:1). Nun will er sich kurzfristig möglichst viele weitere Spiele in der Super League verschaffen und nach Möglichkeit mit dem FC Zürich in dieser Saison einen Titel holen. Zum Beispiel im Helvetia Schweizer Cup, am 27. Mai gegen die Young Boys.

(ds/nl)

 

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