Géraldine Reuteler: Drei EM in drei Jahren

  • 25.10.2017

Géraldine Reuteler bestritt zuletzt für die Schweiz drei EM-Endrunden. Bei der U-17 im Jahr 2015 kam sie bis in den Final, mit der U-19 im Jahr darauf bis in den Halbfinal. Nun ist sie im A-Nationalteam angekommen und gilt als eines der grössten Schweizer Talente.

2017 ist für Géraldine Reuteler ein starkes Jahr, in dem alles gelingt. Es begann mit der Nominierung für den Zypern-Cup des Schweizer Frauen-A-Nationalteams im vergangenen Februar. Sie machte dort gegen Nordkorea ihr erstes Länderspiel für die Schweiz, schon im zweiten, gegen Italien, traf sie doppelt. Letzlich wurde sie auch für das Kader der Schweizerinnen an der EURO 2017 in Holland aufgeboten, leistete dort zwei Teileinsätze. Auch zu Beginn der WM-Qualifikation gegen Albanien und Polen stand sie zweimal auf dem Platz. Géraldine Reuteler ist erst 18 Jahre jung, auf ihrem schnellen Weg ist sie sehr früh oben angekommen – und doch noch lange nicht am Ende.

"Sie ist ein Juwel“
Die Schweizerinnen gewannen das Turnier in Zypern erstmals in ihrer Geschichte. Und Reuteler hat ihre ersten Duftmarken im Team von Martina Voss-Tecklenburg gesetzt. Die Nationaltrainerin ist eine Art Wegbegleiterin von Géraldine Reuteler, schon seit frühen Jahren. 2012 trat sie noch als Spielerin des FC Stans in die Credit Suisse Football Academy für Mädchen in Huttwil ein. Voss-Tecklenburg hatte damals gerade ihr Engagement beim Schweizerischen Fussballverband begonnen und leitete diese Academy. Früh wurde sie auf das Talent Reutelers aufmerksam, sie förderte die Qualitäten, begleitete sie. Dass sie nun auch im Nationalteam sehr früh auf eine Spielerin wie Géraldine Reuteler baute, ist deshalb kein Zufall. "Sie ist ein Juwel", sagte Martina Voss Tecklenburg einst in einem Interview, "und sie ist noch lange nicht ausgereift." "Ich konnte enorm viel von ihrer Arbeit profitieren und es war sicherlich ein Vorteil, dass ich sie bereits kannte, als ich in diesem Jahr ins A-Nationalteam kam“, sagt Reuteler selbst.

Reuteler wusste sich schon in jungen Jahren durchzubeissen. Sie wuchs mit vier Brüdern auf, spielte beim FC Stans schon ausschliesslich mit Buben Fussball, zuletzt auch in der Coca-Cola Junior League für die SG Buochs-Stans. Und als sie im Laufe der Ausbildungszeit in Huttwil zum FC Luzern wechselte, folgte die nächste Bewährungsprobe mit den Jungs der U-14 und der U-15. Als einziges Mädchen, das kaum jemanden kannte, musste sie hartes Brot essen, sie stiess durchaus auf Skepsis, manchmal sogar auf Ablehnung. Doch auch diese Probe bestand sie, liess sich auf ihrem Weg nicht beirren, verarbeitete ihr Heimweh in Huttwil und ihre nicht eben privilegierte Stellung im Club. Am 24. August 2014 bestritt sie ihr erstes Spiel für die Frauen des FC Luzern in der Nationalliga A. Das Spiel beim FC Staad wurde 5:1 gewonnen, Géraldine Reuteler, erst 15-jährig, erzielte zwei Tore. Seit der Saison 2015/2016 ist sie fix im NLA-Team des FC Luzern eingebunden, in der Saison 2016/2017 schoss sie während der Qualifikation 18 Tore, so viele wie keine andere Spielerin in der Liga.

Final und Halbfinal
Vor allem aber trumpfte sie in den nationalen Nachwuchsauswahlen auf. 2015 stürmte die Schweizer U-17-Auswahl in Island bis in den Final der Europameisterschaft. Sie traf in der Vorrunde gegen Norwegen, gegen Frankreich, selbst im Endspiel gegen Spanien (2:5). Ein Jahr später bereits bestritt sie die U-19-EM-Endrunde, wiederum konnte das Duell mit Deutschland gewonnen werden, doch im Halbfinal gegen Frankreich war diesmal Schluss. Und wieder ein Jahr später stand die nächste EM für Géraldine Reuteler im Fokus, diejenige mit dem A-Team in Holland, die für die Schweiz schon nach der Vorrunde beendet war.

Zu Selbstkritik fähig
Géraldine Reuteler hat auf ihrem Weg einige Hürden überwinden müssen. Sie habe früh gelernt, selbstständig zu sein. Den Ballettunterricht hatte sie in jungen Jahren schon nach einer Woche wieder abgebrochen. Sie wollte schon damals nur eines: Fussball spielen. Reuteler verfügt über Schnelligkeit, sie ist technisch beschlagen, sie kann dribbeln, sich in direkten Duellen durchsetzen – und sie weiss, wo das Tor steht. Martina Voss-Tecklenburg scheint "Geri“ jene Zeit zu geben, die sie benötigt. Dazu kommt die Fähigkeit zur Selbstkritik. "Mit dem Spiel in Albanien war ich nicht zufrieden“, sagt Reuteler, "gegen Polen war es dann schon besser. Ich werde von Spiel zu Spiel dazulernen.“ Wie es in ihrer Karriere ab kommendem Sommer weitergehen wird, darüber macht sie Géraldine Reuteler noch nicht viele Gedanken. Es könne sein, dass das Ausland irgendwann mal ein Thema werde. Aber für den Moment sei sie ganz zufrieden wie es sei. Es gibt ja auch keine Gründe, es nicht zu sein.

(ds/nl)

zurück