Alisha Lehmann: Mit Lockerheit und Selbstverständnis

  • 05.07.2017

Die 18-jährige Alisha Lehmann vom BSC Young Boys gehört schon in jungen Jahren zu den regelmässigen Torschützinnen in den nationalen Auswahlen und in ihrem Club. Und sie begegnet auch grossen Herausforderungen mit viel Positivität und Lockerheit.

Das Selbstverständnis der 18-jährigen Bernerin kommt nicht von ungefähr. Vor zwei Jahren stand sie im Schweizer U-17-Team, das an der EM-Endrunde in Island für das beste Ergebnis eines Schweizer Frauenteams an einem grossen internationalen Turnier aller Zeiten sorgte. Die Schweizerinnen hatten sich unter ihrer Trainerin Monica di Fonzo als Gruppensieger noch vor Frankreich für den Halbfinal gegen das hoch favorisierte Deutschland durchgesetzt und dort dank einem späten Tor von Amira Arfaoui sensationell mit 1:0 gewonnen. Der Final ging dann zwar gegen Spanien mit 2:5 verloren, dennoch bezeichnet Alisha Lehmann dieses Turnier und vor allem den Halbfinal gegen die Deutschen als Highlights ihrer bisherigen Karriere.

Über Stützpunkt zu YB
Mit acht Jahren hatte Alisha Lehmann einst beim FC Konolfingen mit dem Fussball angefangen – und nur ein halbes Jahr später wieder damit aufgehört. Sie war als einziges Mädchen in einem Team mit lauter Jungs eingeteilt. «Es war nicht so lustig», sagt sie heute mit etwas Abstand und erzählt, wie sie dann ein Jahr später «plötzlich wieder Lust auf Fussball» bekommen hatte. Sie war auf dem Pausenplatz immer wieder dem Ball hinterhergejagt, nun wollte sie beim FC Konolfingen einen zweiten Anlauf nehmen. Der Wiedereinstieg klappte problemlos, «es gab nun auch einige andere Mädchen im Team und die Sache war nun ganz cool», sagt Lehmann. Bald schon wurde sie als talentierte Fussballerin in einen regionalen Stützpunkt in Konolfingen integriert und nach zwei weiteren Jahren durfte sie sich entscheiden, ob sie ihre noch junge Laufbahn beim FC Thun oder beim BSC Young Boys fortsetzen möge. Sie wählte YB, wie andere ihrer Kolleginnen auch und spielte fortan im U-14-Team der Frauen, trainierte aber von der U-13 bis zur U-15 parallel dazu dreimal wöchentlich auch mit den männlichen Nachwuchsteams und bestritt dort das eine oder andere Testspiel. «Davon habe ich sehr profitiert», sagt sie heute. Ab der siebten Klasse belegte sie die von YB koordinierte Sportschule im Berner Länggasse-Quartier, seit knapp zwei Jahren absolviert sie nun die Handelssportschule, die ab diesem Sommer noch zwei weitere Jahre andauern wird.

Regelmässige Torschützin
In der Winterpause der Saison 2015/2016 war sie bei den Young Boys in das Nationalliga- A-Team integriert worden, wo sie sich auf Anhieb durchsetzen konnte und sich einen Stammplatz erspielte. Fünf Tore gelangen ihr im Laufe der Finalrunde im Frühjahr 2016, drei allein im Auswärtsspiel gegen den FC Staad. Dass sie weiss, wo das gegnerische Tor steht, belegt sie auch in den nationalen Auswahlen. Bei besagter U-17-EM-Endrunde in Island war sie für den entscheidenden Treffer zum 1:0 im Vorrundenspiel gegen Irland besorgt, beim U-19-EM-Qualifikationsturnier der ersten Phase letzten Herbst in Tallinn gelangen ihr gleich fünf Tore, sie traf in allen drei Spielen, beim 9:0 gegen Kroatien gar dreifach. Auch bei YB gehörte sie zu den besten Torschützinnen im NLA-Team, sie brachte es auf insgesamt neun Saisontreffer.

Ausbildung abschliessen
Lehmann selbst wird die Entwicklung von YB auch in den kommenden beiden Jahren mitprägen wollen, sie sagt, dass ein Transfer aufgrund der Ausbildungssituation für sie derzeit nicht infrage kommen würde. «Ich bin als Küken bei YB sehr gut integriert und es passt für mich perfekt.» Was nach ihrer Schulzeit laufen wird in Bezug auf ihre Fussballkarriere, darauf will sie sich noch nicht festlegen. «Ich bin niemand, der etwas erzwingen will, und ich schaue auch nicht so weit nach vorne. Ich lasse das einfach auf mich zukommen.» Ein fixes Ziel ist für sie die spätere Integration ins A-Nationalteam der Frauen. Sie ist im Projekt «Footura» des SFV integriert, in dem Spielerinnen mit dem entsprechenden Potenzial gezielt gefördert werden. «Sehr wertvoll für mich sind die speziellen Videoanalysen und die zusätzlichen Leistungstests. Beides erlaubt es mir, konkrete Verbesserungen anzugehen.» Diese sieht Lehmann selbst etwa in ihrem Kopfballspiel und im defensiven Zweikampfverhalten. Als Stärken streicht sie ihre Schnelligkeit sowie die Passstärke und -genauigkeit heraus. «Sie ist ein Energiebündel, das kaum zu stoppen ist», hatte Monica di Fonzo im Umfeld der U-17-Europameisterschaft 2015 über Alisha Lehmann gesagt. Nun ist die Berner Offensivspielerin fester Bestandteil des U-19-Nationalteams von Nationaltrainerin Nora Häuptle, dem sie aufgrund ihres Alters auch noch für die nächste Kampagne zur Verfügung stehen wird. Es sei denn, der nächste Schritt kommt schneller, als sie denkt.

(ds/nl)

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