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Präsident
Interview mit dem SFV-Präsidenten

Peter Gilliéron, wie haben Sie den Moment Ihrer Wahl zum neuen Zentralpräsidenten des SFV im Berner Rathaus erlebt, als Ihr Vorgänger Ralph Zloczower das Ergebnis der Stimmenauszählung bekanntgab?

Peter Gilliéron: Die Situation ist nicht einfach in Worte zu fassen. Ich sass da auf meinem Platz und habe auf das Wahlresultat gewartet und ich war relativ «relaxed», weil ich wusste, dass ich nichts mehr am Ergebnis mehr würde ändern können in diesem Moment. Dann habe ich das Ergebnis «80:20» gehört und mich über dieses für mich schöne Resultat sehr gefreut. Ich blieb zunächst sitzen, aber als dann alle Delegierten aufgestanden sind und applaudiert haben, habe ich mich auch erhoben und bin nach vorne zum Mikrofon gegangen, um mich zu bedanken.

Welche Reaktionen haben Sie erlebt im Zusammenhang mit Ihrer Wahl?

Schon auf dem Weg zum Mikrofon im Saal des Rathauses haben mir die Delegierten gratuliert - und zu den allerersten gehörte Benedikt Weibel, was mich natürlich sehr gefreut hat. Es war sehr sportlich, wie er seine Niederlage hingenommen hat. Ich bin dann ziemlich rasch zu den Medien geführt worden, wo ich eine Stunde lang redete und redete. Man könnte es mit einem Fussballspiel vergleichen - zuerst war der Match im Saal, dann die Presse und erst zum Schluss gab es die Möglichkeit, mit ein paar Kollegen auf den Sieg anzustossen.

Zeit zur Angewöhnung blieb Ihnen nicht. Im Gegensatz zum amerikanischen Präsidenten, der nach seiner Wahl ein paar Wochen auf die Vereidigung warten muss, waren Sie nach der Verkündung des Ergebnisses am 13. Juni bereits gewählter Präsident?

Richtig. Es gibt schon noch Unterschiede zwischen dem SFV und Amerika… Das heisst aber auch, dass ich im Moment beide Jobs ausübe - den des Generalsekretärs und den des Präsidenten. Das funktioniert aber nur für eine gewisse Übergangszeit, und es ist eine prioritäre Angelegenheit des SFV-Zentralvorstands, möglichst rasch einen neuen Generalsekretär zu finden. Mit der Suche wird eine externe Firma beauftragt. Wichtig ist, dass am Ende der bestmögliche Kandidat die Stelle erhält.

Erstaunlich war die Reaktion gewisser Medien. Es hiess nach Ihrem ersten Tag als Präsident bereits, der SFV habe eine Chance verpasst.

Das habe ich gelesen. Und ich bin auch der Meinung, dass es Situationen gibt, in denen Veränderungen Not tun. Aber die Frage, die sich beim SFV stellt, ist eine andere: Wieso sollte man gross ändern, was funktioniert? Die Nationalmannschaften spielen erfolgreich, die Finanzen sind besser denn je, wir haben mehr Mitglieder denn je und nach wie vor gibt die Organisation des Spielbetriebs bei rund 250 000 Aktiven kaum zu Klagen Anlass. Natürlich, es gibt immer Dinge, die man verbessern kann, verbessern muss. Aber soll man Veränderungen anstreben, nur um etwas verändert zu haben?

Wo sehen Sie denn Handlungsbedarf?

Sorgen bereitet die Gewalt inner und ausserhalb der Stadien und auf den Plätzen. Wir müssen zusammen mit den zuständigen Behörden treffende Massnahmen ergreifen, um diesem Problem Herr zu werden. Das ist leichter gesagt als getan, ich weiss. Aber wer nichts tut, resigniert. Und das wäre das Schlimmste. Sicher nützlich ist, wenn wir das Image des Fussballs weiter steigern, und wenn ich als Beispiel den Finaltag des Credit-Suisse-Cups nehme, wenn man die Begeisterung der Kinder beim Fussball und mit dem Ehrengast Alex Frei sieht, so ist jede Anstrengung gerechtfertigt, die dem Fussball dient.

Welches sind weitere Anliegen, die Sie sich für Ihre Präsidialzeit vorgenommen haben?

Wir wollen die Vereine noch mehr unterstützen und die Ehrenamtlichkeit stützen, denn ohne sie gäbe es keinen Breitenfussball, wie wir ihn kennen und lieben. Natürlich gehören zu jedem Programm auch der Ausbau der nationalen und internationalen Beziehungen und natürlich eine erfolgreiche Nationalmannschaft als Aushängeschild des Verbandes.

Was werden die Unterschiede zu Ihrem Vorgänger sein?

Das ist schwer zu sagen. Ich bin eine andere Person als Ralph Zloczower, ein anderer Typ, der sich womöglich in der Art der Führung unterscheidet. Aber Führung bleibt Führung. Und am Ende zählt das Resultat auch auf der Funktionärsebene. Wenn während meiner Amtszeit eines Tages die gleichen Resultate erzielt werden sollten wie während seiner, dann werde ich glücklich sein.

Eines Tages werden Sie Ihr Amt wieder weiterreichen. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wo der Schweizer Fussball an jenem fernen Tag X stehen soll?

Solche Gedanken gehören zu den Zielen, die man sich vornimmt. Ich würde es gerne sehen, wenn wir uns mit der A-Nationalmannschaft weiterhin für Endrunden qualifizierten, wenn sich aus dem Nachwuchsbereich jedes Jahr ein Team die Teilnahme an einem grossen Turnier sicherte und wenn wir eines Tages dauerhaft von gewaltfreien Fussballspielen in der Schweiz berichten könnten.

Und den nächsten Sommer?

… verbringe ich mit unserer Nationalmannschaft in Südafrika.

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