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Interview
Interview mit Stéphan Studer (FIFA)

1. Herr Studer, kam die Nomination für die FIFA U-17-WM 2011 überraschend oder haben Sie damit gerechnet?
Stéphan Studer: Es war eine sehr angenehme Überraschung. Anfang Jahr hatte ich mir zum Ziel gesetzt, an der U-17-WM dabei zu sein, machte mir aber keine allzu grossen Illusionen. Ich bin sehr glücklich über die Nomination.

2. Was bedeutet eine solche Nomination für Sie?
Für mich als junger internationaler Referee ist diese Nomination ein Schritt nach vorne. Ich bin auch sehr stolz, die Schweiz auf diesem Niveau vertreten zu dürfen. Aus persönlicher Sicht ist es eine sehr schöne Herausforderung. Ich freue mich auf dieses Erlebnis.

3. Welche Ziele setzen Sie sich persönlich für das Turnier?
Zunächst einmal freue ich mich, in den Genuss eines internationalen Wettbewerbs mit verschiedenen Teams aus unterschiedlichen Fussballkulturen zu kommen. Dies wird uns ermöglichen, neue Denk- und Herangehensweisen an das Fussballspiel zu entdecken und viele wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Darüber hinaus hoffe ich, dass unser Trio im Turnier möglichst weit kommt.

4. Bereiten Sie sich mit Ihren Assistenten speziell auf das Turnier vor?
Ja. Seit der Nomination haben wir uns spezifische Trainingsziele fixiert. Schliesslich müssen wir im Vorfeld des Turniers in Mexiko auch einen Fitness-Test der FIFA absolvieren. Das Turnier wird auf 2200 Meter über Meer ausgetragen. Diesen Faktor müssen wir in unsere Vorbereitung mit einbeziehen, die demnach etwas intensiver wird als gewöhnlich. Wir müssen physisch in Top-Verfassung sein. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich persönlich bei Urs Meier, Bereichschef Nichtamateur-Fussball, sowie den Mitgliedern des Ressorts Schiedsrichter bedanken, die für Mitte Mai in Macolin einen speziellen Test für unser Trio angesetzt hat.

5. Sie sind kürzlich Vater geworden. Ausserdem tragen Sie Verantwortung im Beruf. Wie gelingt es Ihnen, Privatleben, Beruf und Ihre Tätigkeit als Schiedsrichter unter einen Hut zu bringen?
Beruflich bin ich zu 80 % eingespannt. Glücklicherweise ist mein Arbeitgeber sehr verständnisvoll und lässt mir viel Freiraum, mein Hobby auszuüben. Auch meine Frau unterstützt mich, wo sie nur kann. Als junger Vater stehe ich jetzt vor neuen Abenteuern und versuche Familie, Beruf und die Schiedsrichtertätigkeit in ein gutes Gleichgewicht zu bringen.

6. Glauben Sie, dass die jetzige Nomination etwas mit dem letztjährigen Final der U-19-EM zu tun hat, das Sie erfolgreich leiteten?
Bei einem solchen Turnier kann man Erfahrung sammeln und sich präsentieren. Möglicherweise hatte das einen gewissen Einfluss.

7. Noch ein Wort zum Schweizer Fussball. Die Meisterschaften der Axpo Super League und der Challenge League neigen sich dem Ende zu. Wie sieht Ihre Saisonbilanz aus?
Wir erleben dieses Jahr eine sehr spannende Meisterschaft. Vier Runden vor Schluss stehen alle wichtigen Entscheidungen um Titel, Abstieg und Relegation noch aus. Für mich persönlich ist es noch zu früh für eine Bilanz. Bis dato bin ich sehr zufrieden mit meiner Saison, auch wenn ich noch einige Punkte verbessern kann.

8. Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie diese Saison zu kämpfen?
In der ASL war es eine Saison mit sehr vielen Matches. Schwierig ist vor allem, ausreichend Regenerationszeit zu bekommen. Man muss sich genügend Zeit nehmen – sowohl für die physische, als auch für die psychische Regeneration. In der Rückrunde habe ich mir zwei Wochenenden frei genommen, um mich auszuruhen.

9. Von Spielern und Trainern werden Sie teils heftig kritisiert. Wie gehen Sie mit diesen Reaktionen um?Wenn es einen Tatsachenentscheid betrifft, ist es immer gut, die verschiedenen Sichtweisen austauschen zu können. Jeder sieht eine Spielsituation mit seinen eigenen Augen und aus seiner eigenen Perspektive. Wenn die Kritik jedoch persönlich wird, habe ich damit meine Schwierigkeiten, denn wir sind Menschen machen auch Fehler.

10. Das Ressort Schiedsrichter des SFV organisiert regelmässig Lehrgänge, um mit den Referees Spiele zu analysieren. Spielt bei diesen Lehrgängen auch der Umgang mit der Aggressivität der beteiligten Akteure eine Rolle?
Ja. In verschiedenen psychologischen Schulungen lernen wir, mit emotional aufgeladenen Konfliktsituationen umzugehen. Dies ist hauptsächlich Teil des jährlichen Schiedsrichter-Lehrgangs auf Gran Canaria im Januar. Der Schiedsrichter muss gut vorbereitet sein und braucht das nötige Rüstzeug, um in schwierige Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

11. Und welche Wünsche haben Sie für die Zukunft der Schweizer Schiedsrichter?
Ich wünsche mir vor allem eine Intensivierung der Diskussion über die Professionalisierung der Referees, damit wir in diesem Bereich schnell vorwärts kommen. Damit meine ich, dass die Schiedsrichter für die Gesamtheit ihrer Aktivitäten entschädigt werden. Dies würde ihnen eine optimale Vorbereitung und Regeneration ermöglichen, die auch mit dem Beruf in Einklang zu bringen wäre.

Name: Studer
Vorname: Stéphan
Qualifikation: FIFA

 

       

 

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