Siebzigerjahre
Siebzigerjahre

Rivalität der Grossstädte

von Philippe Guggisberg

In den späten Sechzigerjahren und zu Beginn der Siebzigerjahre beklagte der Schweizer Fussball sowohl auf der Stufe Klubfussball wie auch bei der Nationalmannschaft die schwindende Konkurrenzfähigkeit im europäischen Vergleich. Nach der letzten WM-Teilnahme an der Endrunde 1966 in England scheiterte die Schweiz in den folgenden Qualifikationen meist kläglich. Erst 28 Jahre später sollte sich die Nationalmannschaft wieder für ein Endrundenturnier qualifizieren.

In der höchsten Schweizer Liga ist im Übergang von den Sechziger- zu den Siebzigerjahren keine Zäsur zu erkennen. Die Kräfteverhältnisse in der National-Liga A hatten sich bereits im Verlauf des vorangehenden Jahrzehnts verschoben. Mitte der Sechzigerjahre war der Zweikampf der beiden Grossstädte Zürich und Basel eingeläutet worden, der den Schweizer Fussball für die nächsten 16 Jahre beherrschen sollte. Parallel dazu entwickelten sich die Spitzenklubs – wenn auch mit kleinen Schritten – weiter in Richtung des bezahlten Fussballs. Gleichzeitig kämpften grössere, besonders aber viele kleinere Klubs ums nackte Überleben.

In engen Entscheidungen in der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre hatte im Schlussspurt der Meisterschaft immer der FCZ oder der FCB das gute Ende für sich behalten. So auch im Sommer 1970, als der Klub vom Rheinknie den dritten Titel mit dem fünf Jahre zuvor aus Köln zugezogenen Spielertrainer Helmut Benthaus feierte. Nur einem Klub war es in dieser Phase vergönnt, die Dominanz der beiden Stadtklubs zu durchbrechen. Nach 26 Runden standen in der Saison 1970/71 zwei Mannschaften mit 42 Punkten zu Buche und der Meister musste in einem Entscheidungsspiel ermittelt werden. Erst zum dritten Mal seit Einführung der 14er-Liga kam es zu einer Zugabe vor neutralem Publikum – und zum dritten Mal war der Grasshopper Club in die Entscheidung involviert. Am 8. Juni 1971 traten die Zürcher im Berner Wankdorf gegen den FC Basel an und die beiden Klubs lieferten den 51’000 anwesenden Zuschauern ein dramatisches Spiel. Nach 90 Minuten Spielzeit und 30 Minuten Verlängerung entschieden die grösseren Kraftreserven der beiden GC-Stars Rainer Ohlhauser und Ove Grahn das Spiel für den GC und ermöglichten dem Team von René Hüssy mit dem 4:3-Sieg den ersten Titel seit 15 Jahren. Bei diesem kurzen Zwischenspiel sollte es allerdings bleiben. Die Grasshoppers hatten mit ihrem überraschenden Erfolg von 1971 dem FC Basel eine Bestmarke verdorben, die bis in die Gegenwart keinem Klub gelungen ist: das Quintuple, fünf Titel in Serie. (...)

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