Der Wechsel zur Swiss Football League
von Maurice Desiderato
Die Jahrtausendwende brachte eine Neuauflage der Städterivalität zwischen Zürich und Basel: Während die beiden Zürcher Vereine GC und FCZ bis 2008 je zwei Titel feiern konnten, gewann der FC Basel deren vier, wurde dreimal Vizemeister und viermal Cupsieger. Den Westschweizer Fussballklubs hingegen schenkte das Jahrzehnt keinen Erfolg: Servette, Xamax, Lausanne und auch Sion mussten aufgrund von grossen finanziellen Problemen zurückbuchstabieren. Dies war ein herber Schlag für den Landesteil, der vor ein paar Jahren im Schweizer Fussball noch eine führende Rolle gespielt hatte.
2001 konnte sich der Grasshopper Club Zürich unter dem NLA-Trainerneuling Hans-Peter Zaugg in einem bis zuletzt offenen Dreikampf gegen den Titelverteidiger FC St. Gallen und den FC Lugano durchsetzen: Im entscheidenden Spiel schlugen die Zürcher auf dem Espenmoos ihren ersten Verfolger diskussionslos mit 4:0. Zwei Jahre später gelang unter Marcel Koller der zweite Meistercoup: Nachdem Koller 1999/2000 bereits St. Gallen zum Titel geführt hatte, kehrte er 2002 zu seinem Stammklub GC zurück und gewann die Meisterschaft mit einem Punkt Vorsprung auf den FC Basel. Grossen Anteil an beiden Titeln hatte der nur 172 cm grosse Richard Dario Nuñez Pereyra aus Uruguay: Im Frühjahr 2001 war er zu den Zürchern gestossen, steuerte in der Finalrunde in neun Spielen neun Treffer bei und wurde sowohl 2002 als auch 2003 Schweizer Torschützenkönig.
Mit diesen Erfolgen verabschiedete sich der Zürcher Traditionsklub für die nächsten Jahre von der nationalen Spitze. Im stadtinternen Duell lief ihm der FCZ nach und nach den Rang ab: Auch das legendäre Halbfinalspiel im Schweizer Cup vom 3. März 2004, in dem der GC in den letzten sieben Spielminuten einen 5:2-Rückstand wett machte und dank eines Tores von Nuñez in der Verlängerung noch gewann, konnte diese Trendwende nicht verhindern. Und spätestens als der FCZ unter Lucien Favre 2006 den ersten Meistertitel seit 1981 gewann, war die Hierarchie der letzten Jahre auf den Kopf gestellt. Zentral waren dabei neben den herausragenden Spielern Alhassane Keita und Raffael zahlreiche junge Schweizer Fussballer wie Blerim Dzemaili, Xavier Margairaz, Gökhan Inler oder Steve von Bergen: Mit einem Durchschnittsalter von gut 23 Jahren verfügte der Klub über das jüngste Team der Liga.
Auch in der neuen Saison standen die Zürcher nach einem starken Herbst wieder an der Spitze. Als jedoch im Frühling die Basler immer näher rückten, bedurfte es des «Falles Muntwiler», um die Basler auf Distanz zu halten: Anfang April hatte St. Gallen-Trainer Rolf Fringer im Spiel gegen den FCZ den jungen Philipp Muntwiler eingewechselt, obwohl dieser wenige Tage zuvor mit dem U21-Team die Gelb-Rote Karte kassiert hatte. Das Unentschieden wurde folglich in eine Forfait-Niederlage für St. Gallen umgewandelt und den Zürchern wurden anstatt einem Zähler nun drei Punkte gutgeschrieben. Noch vor der Meisterschaftsentscheidung bestätigte der Internationale Sportgerichtshof diesen Entscheid. Am Ende gelang es dem FCZ, den knappen Vorsprung auf Verfolger Basel über die Distanz zu retten und den Titel zu verteidigen. (...)
