Funfzigerjahre
Fünfzigerjahre

 

Die glorreichen Zeiten von La Chaux-de-Fonds und YB

von Eric Beer

Ende der Vierziger- und zu Beginn der Fünfzigerjahre verlagerte sich das Schwergewicht der Fussballszene in die Südschweiz. Von 1948 bis 1953 wurde das Tessin während fünf Saisons von vier Mannschaften in der National-Liga A vertreten: Lugano, Bellinzona, Locarno und Chiasso. Einen bemerkenswerten Aufstieg vollzog der im Jahre 1949 gegründete Verein Rapid Lugano. Innerhalb von vier Jahren, von 1951 bis 1955, stiegen sie von der vierten Liga in die NLB auf. Die zwei Cupfinalteilnahmen vom FC Locarno 1951 und vom FC Lugano 1952 beendeten die erfolgreiche Ära der Tessiner im Schweizer Fussball. Betrachtet man die geografische Verteilung der NLA- Vereine zwischen 1944 und 1959, kann festgestellt werden, dass die welschen Mannschaften im Verhältnis zur Bevölkerung immer leicht und diejenige vom Tessin eine Zeit lang sogar stark übervertreten waren. Zu Beginn der Fünfzigerjahre spielten sich die Romands mit Titelgewinnen von Servette, Lausanne und insbesondere La Chaux-de-Fonds in den Vordergrund. Die Westschweizer Dominanz widerspiegelte sich auch an der Weltmeisterschaftsendrunde 1954 in der Schweiz. Von den 22 Nominierten spielten neun in Vereinen aus der Deutschschweiz und deren zwölf in Westschweizer Mannschaften. Mit dem FC Chiasso war auch ein Verein aus der italienischen Schweiz vertreten. Der wirtschaftliche Aufschwung, der nach dem Zweiten Weltkrieg an Kraft gewann und in eine fast 25-jährige Periode kaum unterbrochener Prosperität mündete, trug ebenfalls zum Aufschwung Westschweizer Vereine bei. In einer Zeit, als dem Profi-Fussball mit Skepsis begegnet wurde, wühlten Vereine aus dem Jurabogen wie beispielsweise Grenchen, Biel oder La Chaux-de-Fonds auch dank der prosperierenden Uhrenindustrie die Schweizer Fussballszene auf.

Zu Beginn der Fünfzigerjahre kam das ganz auf Angriffsfussball eingestellte La Chaux-de-Fonds mächtig in Fahrt. Es war die unbestritten stärkste Mannschaft der damaligen Epoche. Die Ära wurde mit dem Cupgewinn gegen Locarno 1951 eingeleitet. Geführt vom Tschechoslowaken Georges Sobotka, dem berühmten Internationalen von Slavia Prag, folgten 1954 und 1955 zwei Doubles. Viele Spieler dieser erfolgreichen Mannschaft vertraten auch die Farben der Schweizer Nationalmannschaft – Olivier Eggimann, Willy Kernen, Raymond «Cocolet» Morand, Gilbert Fesselet, Marcel Mauron, Bernard Coutaz, Tony Ruesch und insbesondere Charles «Kiki» Antenen, der in La Chaux-de-Fonds von seinen Mitspielern und vom Publikum «Tschalet» genannt wurde. La Chaux-de-Fonds kombinierte Spielintelligenz und Spielkraft, Technik und Härte, Weitblick und Subtilität. Im Gegensatz zu Rappans Riegel-Taktik bevorzugte Sobotka das in England durch Arsenal und Herbert Chapman berühmt gewordene WM-System.

Die Saison 1953/54 war wegen der bevorstehenden Weltmeisterschaftsendrunde im eigenen Land von grosser Bedeutung. Karl Rappan konzentrierte sich voll und ganz auf seine Aufgabe als Nationaltrainer und überliess die Vereinsverantwortung der «Grenats» Albert Châtelain. Paul Ruoff – ehemaliger Spitzenfussballer und Schiedsrichter, Sekretär, Präsident und Ehrenpräsident der National-Liga – machte sich für die Abschaffung von Auf- und Abstieg stark. Er erhoffte sich bessere Bedingungen zur Vorbereitung auf die WM-Endrunde, doch wurde sein Vorschlag abgelehnt. Die vom 16. Juni bis zum 4. Juli ausgetragene Weltmeisterschaft wurde vor allem wegen ihrer torreichen Spiele – in 26 Spielen wurden 140 Treffer erzielt, was einem Durchschnitt von 5,38 Toren pro Spiel entspricht – und dem Überraschungsweltmeister Deutschland unvergesslich. Die Olympiasieger von 1952 und seit vier Jahren ungeschlagenen «magischen Magyaren» um Puskás, Bozsik, Kocsis galten als klare Turnierfavoriten. In der Vorrunde wurden die Deutschen unter Trainer Sepp Herberger von den Ungarn noch mit 8:3 vorgeführt. Aber am Finaltag hatten die Deutschen auf dem schlammigen Boden des Wankdorf-Stadions dank Adolf «Adi» Dasslers Spezialstollen mehr Halt und schafften es, einen 2:0 Rückstand durch Tore von Morlock und zweimal Rahn in einen 3:2-Sieg umzuwandeln. Das «Wunder von Bern» sorgte in der Bundesrepublik für eine gewaltige Aufbruchstimmung und gilt noch heute als das bedeutendste Sportereignis der deutschen Geschichte. (...)

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