Modus-Hektik und die Zeit der grossen Stars
von Roger Müller
In zehn Jahren von Mitte der Siebziger- bis Mitte der Achtzigerjahre wurde die National-Liga A zunächst von 14 Teams auf 12 reduziert, dann wieder auf 14 und später sogar auf 16 aufgestockt und schliesslich in nur einer Saison von 16 auf 12 abgespeckt. Vor dieser Zeit spielten die Klubs in der obersten Spielklasse 34 Jahre lang nach dem gleichen Modus. Nach dieser Phase blieb die Zahl der Mannschaften in der NLA wiederum 16 Jahre lang unangetastet.
Was war der Grund für diese ausserordentliche Hektik? Das neue Jahrzehnt war geprägt von der Suche nach einem gangbaren Weg zwischen Anspruch und Realität. Ende der Siebzigerjahre hatten die Klubs den Profi-Fussball quasi reglementarisch legalisiert und zu Beginn der Achtzigerjahre schien mit der sich verbessernden Konjunktur im Land auch wirtschaftlich mehr möglich zu sein. Diese Faktoren erhöhten bei allen Klubs die sportlichen Ziele. Finanziell tat sich nach der Legalisierung des Profi-Betriebes jedoch rasch ein tiefer Graben zwischen den wenigen «Grossen» und den vielen «Kleinen» im Schweizer Fussball auf.
Die Klubs mit sportlicher Tradition, grossem Einzugsgebiet und dementsprechend mit wirtschaftlicher Potenz suchten den Anschluss an den europäischen Spitzenfussball. Dazu brauchte es zwingend vollprofessionelle Fussballer, Trainer und Manager. Auf der anderen Seite vertraten die lokal verankerten Klubs mit weniger Ausstrahlungskraft das Credo des Halbprofessionalismus, um einen ruinösen Salär-Wettbewerb bei den Spielern zu verhindern. Möglichst viele Teams sollten in der höchsten Spielklasse dabei sein können, alle Regionen vertreten sein. So klar war die Trennung zwischen den Kategorien allerdings nicht. Offensichtlich wechselte auch bei den Klubverantwortlichen des Öfteren die Einschätzung, zu welcher Gruppe der eigene Klub aufgrund der finanziellen Möglichkeiten denn gehören sollte und konnte.
Ebenfalls ein Grund für die Modus-Hektik war wohl, dass sich auf sportlicher Ebene niemand so richtig mit der jeweils gespielten Variante anfreunden konnte, obwohl fast alles ausprobiert wurde. Mit der Reduktion der National-Liga von 14 auf 12 Teams Mitte der Siebzigerjahre wurde zum ersten Mal eine Finalrunde eingeführt. Die ersten sechs Teams der Rangliste spielten nach einer Qualifikation mit Hin- und Rückspiel wiederum in Hin- und Rückspielen um den Titel. Die übrigen sechs unter dem «Strich» machten die beiden Absteiger in die neu von 14 auf 16 Mannschaften aufgestockte National-Liga B aus. (...)
