Der Fussballverband Region Zürich (FVRZ) begeht dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Der erste Jubiläumsanlass hatte das Thema «Ethik und Moral im Sport» zum Inhalt – ein Dauerbrenner mit «nach oben unbegrenztem» Diskussionsstoff. Grundsatzfragen wie «Ist Ethik und Moral ein allgemein empfundener Begriff; ab wann beginnt die individuelle Reflexion?» wurden ebenso diskutiert wie sport-, gar fussballspezifische Eindrücke.
Ethik und Moral haben stets ein individuelles Gerechtigkeitsempfinden als Basis. Egal, wie weitsichtig man denn auch immer sein will – die eigenen Gefühle sind das Mass dessen, wo Grenzen gezogen werden. Der «glasklare Penalty» hier ist nebenan «e fantastischi Schwalbe» ohne irgendwelchen Körperkontakt. Beide Beobachter wollen Recht haben – mit dem beeindruckenden Ergebnis: Exakt dieselbe Situation im andern Strafraum würde auch die Meinungen um geschätzte 180, zumindest 179 Grad drehen. Egoismus als «objektive» Grundlage?
Wertvorstellungen kundtun
Sportstadien sind keine gesellschaftlichen Vakuumplätze. Das Symposium-Thema tangiert vielmehr integriert alle gesellschaftlichen Bereiche. Wirtschaft, Politik, Religion, soziale Fragen bis hinunter zum Stammtisch – alles ist linear oder via Umwegen mit Ethik und Moral verbunden, ist und bleibt ein stets aktuelles Thema des homo sapiens.
Diverse Referenten eröffneten den Anlass. So erkannte Kurt Murer gleich zu Beginn: «Höher, schneller, weiter – aber vor allem menschlicher» war sein Credo an «den Sport», das sich, linear oder mit Abweichungen, durch den ganzen Anlass zog. Peter Knäbel strich heraus, dass Erwachsene Jugendlichen nicht vorschreiben sollen, wogegen sie sind, vielmehr erklären, woraus sich ihre Wertvorstellungen ergeben. Daniel Eckmann spielte den thematischen «Bad Boy», provozierte mit der Feststellung, dass der Sport «ein Tanz ums Goldene Kalb» ist. Karin Keller-Sutter erkannte nicht nur, aber auch generationenbedingte Wertewelten: «Das tun, was andere mit dir tun sollen» ist indes ein Aufruf zu Immerhin-Verstehen-Wollen, nicht immer Verstehen-Können.
Lebhafte Gesprächsrunde
In der anschliessenden Gesprächsrunde, der Veranstaltung zweiter Teil, wurde die Thematik zuweilen deutlich emotionaler geführt.
Am Ende des Symposiums blieb die Hoffnung, dass die eingeladenen Vereinspräsidenten die Thematik durchaus auch in ihren Clubs als Forum öffnen. Sport ist viel mehr als die erreichten Punkte in der hintersten Tabellenspalte. Stimmt alles menschliche «Drumherum» einigermassen, ist die Folge daraus fast zwangsläufig eine den Umständen angemessene Ranglistenposition. So gesehen, dürfte dem Aspekt «korrektes menschliches Miteinander» die weit grössere Bedeutung zukommen als die Jagd nach fehlenden oder kalkulierten Punkten. «Ethik und Moral» umzusetzen, bedingt Feinarbeit und den zeitlichen Aufwand vieler Gespräche.
Die Teilnehmer
Moderation:
Steffi Buchli
Referenten:
Kurt Murer, Professor ETH Zürich
Peter Knäbel, technischer Direktor SFV
Daniel Eckmann, ehemaliger Handball-Nationalgoalie
Karin Keller-Sutter, Regierungsrätin St. Gallen
Gesprächsrunde:
Ancillo Canepa, FCZ-Präsident
Ueli Kägi, stv. Sportchef Tages-Anzeiger
Alain Sutter, Delegierter GC
Mario Fehr, Regierungsrat Zürich
Beni Bruggmann, Kinderfussballexperte
Impressionen (Fotos: Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ)

Hörsaal ETH Zürich



Peter Gilliéron, Präsident SFV (Ehrengast)

Rita Zbinden-Winkler, OK-Präsidentin FVRZ (rechts) mit
Karin Keller-Suter, Regierungsrätin St. Gallen

rund 140 Vereinspräsidenten und 40 Gäste