«Leadertypen und Führungsspieler»
von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter,
bfoxli@bluewin.ch
Der «Football-Pool» - die Rubrik der Gratis-Inserate – lässt schnuppern, wer da was anbietet beziehungsweise sucht. Eine Fundgrube an Wünschen, an echten Notfällen und an Anzeigen mit gesteigertem Fragezeichenwert.
Nebst den üblichen Trainern, Betreuern und Funktionären beansprucht die Suche nach Kickis am meisten Raum. Gesucht werden «Leadertypen» und «Führungsspieler», Akteure mit «Offensivqualitäten», dann auch Leute für ein «ambitioniertes Team», nicht genau positionsdeklarierte «Feldspieler» (möglichst überall einsetzbar) oder einfach «Verstärkungen auf allen Positionen».
Guckt man dann auf die Seite der Vereine, fragt man sich so ab und zu: Weshalb braucht Verein XY mit deklarierten, an der Meisterschaft teilnehmenden 18 Mannschaften Verstärkung? Weshalb sucht Club YZ mit zwölf Juniorenmannschaften für seine in der 3. Liga kickende erste Mannschaft Auswärtige? Was läuft da schief? Keine Geduld, um mit eigenen Nachwuchsspielern eine auch clubeigene Mannschaft aufzubauen? Kein Konzept, um eigenen Junioren eine Perspektive aufzutun und daran zu arbeiten, sie offen zu halten, als Anreiz, dereinst selbst in diesem Team zu spielen?
Wie viel sind sie wert, die da kommen? Wie tief integrieren sie sich in den Verein? Wer darf wieder alles herumspurten im Hintergrund, damit die Auswärtigen gepflegt und gehätschelt werden können und ihren grösseren oder kleineren Batzen abholen? Zwei, vielleicht drei Saisons lang – dann sind sie wieder fort. Und mit ihnen das Geld, aus dem man, zumindest partiell, ein Trainingslager für den eigenen Nachwuchs hätte finanzieren können.
Nicht selten kommt die Floskel «Wir setzen auf den eigenen Nachwuchs» aufs PR-Tapet. Das tönt überzeugend gut und beruhigt vielleicht – mindestens kurzfristig – Leute, die eine «verfehlte Vereinspolitik» monieren. Nur muss man – je nach Arbeit im Verein – eventuell mit einer dritten, einer vierten Liga Vorlieb nehmen, wenn man denn nicht zum nicht die Wahrheit sagenden Schaumschläger aufsteigen und gebrandmarkt werden möchte.
Was wäre schlimm daran? Wen interessierts eigentlich? Jene, die ehrlich sind oder sich via Ligazugehörigkeit persönlich profilieren wollen? Fussball ist so dermassen komisch geworden …