Aargauischer Fussballverband

Coole Aargauer im hitzigen Süden

von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Im September 2013 gingen im Stadio Communale in Bellinzona buchstäblich die Lichter aus. Die AC Bellinzona musste während der laufenden Saison den Spielbetrieb komplett einstellen, Präsident Gabriele Giulini hatte den Tessiner Traditionsverein nach 109 Jahren Klubgeschichte ins Verderben geritten. Doch nun, ziemlich genau ein Jahr später, rollt der Ball im Communale wieder, nachdem es um die „Granata“ gespenstisch ruhig geworden war.

Beim ersten Training Mitte Juli prangte ein Transparent der Fans am Zaun: „Che bello ritornare, senza te no posso stare“ – „Wie schön, zurück zu sein, ich kann ohne dich nicht sein“. Die Fans, die dem Verein ewige Treue geschworen haben, sind immer noch dabei, auch wenn die Gegner nicht mehr Basel, GC oder YB heissen, sondern Gambarogno-Contone, Vallemaggia oder Paradiso.

Gegen den FC Lugano Paradiso trug die AC Bellinzona am vergangenen Mittwoch ihr allerstes Pflichtspiel seit rund einem Jahr aus – in der 2. Liga regional. Über 1000 Zuschauer waren anwesend, das Spiel wurde gar live im Internet übertragen. Im Vorfeld der Partie wurden Fanzusammenstösse befürchtet, da die 4000-Seelen-Gemeinde Paradiso an die Stadt Lugano grenzt, dessen Einwohner traditionsgemäss nicht gerade gut auf Bellinzona zu sprechen sind – und umgekehrt. Es war dann auch ein Polizeiaufgebot vor Ort, doch nennenswerte Vorfälle blieben glücklicherweise aus.

In diesem geschichtsträchtigen Spiel mittendrin ein Aargauer Schiedsrichtertrio: Ibrahim Karabacak leitete mit den Assistenten Markus Höppli und Fabian Fleischli die Partie im „Paradies“. Es war der erste „Austausch“ zwischen dem Aargauischen und dem Tessiner Fussballverband. „So wollen wir die Vorurteile gegenüber den Schiedsrichtern beseitigen“, betont Luigi Ponte, Präsident der Schiedsrichterkommission des AFV. „In der regionalen 2. Liga kennt man die Schiedsrichter, sei es bei uns oder im Tessin. Gerade bei brisanten Spielen sollte aber einer arbitrieren, der bei den Spielern gänzlich unbekannt ist.“

Vom Austausch sollen natürlich auch die Schiedsrichter selber profitieren. „Wir haben mit der Deutschschweiz, dem Tessin und der Westschweiz drei unterschiedliche Fussballkulturen“, so Ponte. „Mit unserem Projekt sollen die Schiedsrichter alle drei kennenlernen, insbesondere dann, wenn sie mal in höheren Ligen pfeifen wollen.“

Für seine Leistung  beim Spiel Paradiso – Bellinzona, das die „ACB“ mit 3:1 für sich entscheiden konnte (http://calcioregionale.ch/?2956/fc-paradiso-ac-bellinzona), gab es für das Aargauer Schiedsrichter-Trio Lob von allen Seiten. „Ich musste die Verantwortlichen fast bremsen“, berichtet Ponte. „Unser Aargauer Schiedsrichter sprach lediglich zwei Verwarnungen aus, was für das Tessin unüblich ist.“ Weiter hätten die Tessiner Spieler Schiedsrichter Karabacak einen enormen Respekt entgegengebracht und sich jederzeit hochanständig verhalten.

„Sie gingen wirklich sehr respektvoll mit uns um und akzeptierten uns“, betont auch Karabacak selber. Die Brisanz der Partie habe er bereits vor dem Anpfiff gespürt: „Wir wurden 400 Meter vom Stadion entfernt von der Polizei abgeholt und quasi in die Garderobe eskortiert“, erzählt der 32-Jährige. Weiter hätten sich ständig zwei bis drei Polizisten um das Trio aufgehalten. „Ausser natürlich auf dem Platz“, stellt Karabacak lachend klar. Das Niveau auf dem Platz sei deutlich höher gewesen als in der Aargauer 2. Liga, zuweilen erreichte es 1.-Liga-Qualität. Karabacak muss es wissen, leitete er früher doch selber 1.-Liga-Partien. „Es war wirklich eine tolle Erfahrung, ich würde sofort wieder ein Spiel im Tessin leiten“, schwärmt Karabacak.

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24.08.2018

Hattrick

Trailer "Kicker Talents"

07.11.2018

Armando Granzotto (Präsident Wettspielkommission AFV)

Von Jonas Manouk, stv. Medienchef AFV
manouk.jonas@football.ch

Die Aargauer Fussballfans bekamen in der abgelaufenen Hinrunde auf den hiesigen Sportplätzen wiederum packende Duelle, spektakuläre Spielzüge und schöne Tore geboten! In den 91 Hinrunden-Partien zappelte der Ball insgesamt 366 Mal im Netz, was im Schnitt ziemlich genau 4 Treffer pro Spiel bedeutet. Die 2. Liga AFV ist aber nicht nur spektakulär – auch an Spannung mangelt es ihr bei Weitem nicht. An der Spitze der Tabelle konnte sich der überragende FC Kölliken zwar mit 6 Punkten Vorsprung etwas absetzen, dahinter lauern aber 4 Teams innerhalb von 3 Zählern auf Ausrutscher der Kölliker – mitten im «Konzert der Grossen» spielt auch der verblüffende Aufsteiger aus Niederwil mit! Auch um den ominösen Strich liegt weiter alles ziemlich nahe beisammen. Im Rahmen der «drei ???» zieht Armando Granzotto, Wettspielkommissionspräsident des AFV, Bilanz zur Hinrunde.

1. Armando Granzotto, wie fällt Ihre persönliche Bilanz zur Hinrunde aus?
Meine persönliche Bilanz fällt aus sportlicher Sicht äusserst positiv aus. Ich konnte sehr vielen spannenden und hochstehenden Spielen beiwohnen. Für mich ist es zudem stets wichtig, dass die Spieler gesund durch die Saison kommen und dies ist bis auf wenige Ausnahmen auch den meisten gelungen. In der abgelaufenen Vorrunde hat uns natürlich auch der Wettergott in die Karten gespielt! Für jeden Fussballer ist es schöner, bei guten Terrainverhältnissen spielen und trainieren zu können und auch für uns Zuschauer ist es kein Nachteil (schmunzelt).

2. Wer zählt für Sie zu den positiven Überraschungen?
Für viele Experten ist die Tabellenführung des FC Kölliken möglicherweise gar keine grosse Überraschung, da sich die Mannschaft mit «grossen Namen» verstärkt hat. Wer jedoch selber mal Spieler oder Trainer war, weiss, dass Namen alleine noch keine Garantie für Erfolg sind und es enorm wichtig ist, solche Spieler auch führen zu können. Dies macht Marco Wüst offenbar richtig gut, denn das gute Abschneiden dieser Vorrunde nur mit der hohen Qualität der Einzelspieler zu erklären ist mir dann doch zu einfach. Persönlich habe ich jedes Team mindestens zweimal spielen sehen und mir haben vor allem der FC Mutschellen und der FC Niederwil imponiert. In beiden Fällen zeigt sich eindrücklich, dass sich Kontinuität irgendwann mal auszahlt und deshalb kommen für mich die guten Leistungen dieser beiden Vereine keinesfalls überraschend. Doch etwas überraschend ist für mich die Spielweise von Suhr: Sie spielen möglicherweise den attraktivsten Fussball und hätten sie nicht einige klare Führungen zum Schluss noch aus der Hand gegeben, so wäre der Abstand zur Spitze viel kleiner. Für mich ist es zudem eine Überraschung, dass von den fünf Erstplatzierten in der Meisterschaft mit dem FC Klingnau nur ein Team im Viertelfinal des Axpo Aargauer Cups überwintern kann.                                                                        

3. Wenn Sie sich etwas für die kommende Rückrunde wünschen könnten, was wäre das?
Natürlich wünscht man sich als WK-Präsident immer wieder Spannung an der Spitze und auch am ominösen Strich, doch für mich ist es viel wichtiger, dass die Spiele fair und ohne Zwischenfälle über die Bühne gehen. Dafür verantwortlich sind wir Verbands-Funktionäre, die Schiedsrichter und in erster Linie die Akteure auf und neben dem Spielfeld. Hier wünsche ich mir vonseiten der Spieler und Trainer, trotz allen Emotionen, etwas mehr Gelassenheit und Verständnis gegenüber den Schiedsrichtern. Einige werden sich jetzt wohl denken: «Der Granzotto war ja als Spieler und Trainer auch nicht immer ein Heiliger und jetzt redet er solches Zeugs!» Jene haben vielleicht gar nicht mal ganz so unrecht, und doch betrachte ich das Ganze heute halt aus einer etwas anderen Optik. Schlussendlich sitzen wir aber alle im selben Boot und deshalb wünsche ich mir, dass die Menschen wieder mit etwas mehr Respekt miteinander umgehen würden… Nicht nur im Fussball!

12.09.2018

Josef Schmölzer

19.08.2014

Kecke Aufsteiger

27.05.2014

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