Referees

Eine doppelte Premiere

  • 09.12.2016

Die FIFA-U17-Weltmeisterschaft der Frauen im 
Oktober in Jordanien 
war eine Premiere. Und 
auch für die Schweizer Schiedsrichter-Assistentin Susanne Küng war es 
der erste Einsatz bei 
einem Weltturnier.

Die Bilanz von Susanne Küng zu ihrem ersten Einsatz an einer FIFA-Weltmeisterschaft sieht positiv aus: «Das Turnier war eine sehr gute Erfahrung und ich bin zufrieden». Am 30. September assistierte sie die portugiesische Schiedsrichterin Sandra Braz beim U17-Gruppenspiel der Frauen zwischen Kamerun und Kanada (2:3) an der Seitenlinie, am 12. Oktober folgte in derselben Besetzung der Einsatz im Viertelfinal zwischen Deutschland und Spanien (1:2). Danach war Schluss, als Nordkorea im Final die Japanerinnen bezwingen konnte, war die Aargauerin schon wieder zu Hause.

Zurück bleibt eine Vielzahl von Eindrücken. Für Jordanien, dessen Frauenfussball noch in der Entwicklung steckt, war es das erste von der FIFA zugewiesene Turnier. Das Eröffnungsspiel zwischen Jordanien und Spanien (0:6) sahen gegen 15 000 Zuschauer, im Final waren etwas mehr als 12 000 Zuschauer präsent. Nicht alle Spiele waren gleich gut besetzt, und für Susanne Küng ging es bei ihrer Premiere vor allem darum, «gut vorbereitet zu sein und mein Bestes zu geben». Der Einsatz startete mit einem Seminar, bei dem viel Theorie vermittelt wurde. Trainiert wurde jeden Tag; auf den Fahrten, die je nach Stau mehr oder weniger lang dauerten, konnte sie einen Einblick in das Leben vor Ort gewinnen, «ansonsten hatten wir nicht gross Kontakt, unser Leben spielte sich ein bisschen ab wie in einer Blase». In Amman lag ein Flüchtlingslager in unmittelbarer Nähe des Stadions, zum Eröffnungsspiel wurden auch einige Leute von dort mit eingeladen.

Mit einer neuen Kollegin
Susanne Küng, die in Fribourg ein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen hat, musste sich für ihre Einsätze in einem neuen Trio finden, die portugiesische Schiedsrichterin Sandra Braz hat sie erst vor Ort kennengelernt. «Hier gilt es vor allem, die Kommunikation aufeinander abzustimmen, denn die ist ganz anders, als wenn wir uns in einem Schweizer Trio in der Muttersprache austauschen können.» Mit ihren Leistungen ist sie «grundsätzlich zufrieden, aber es gibt immer Raum, sich zu verbessern».


Susanne Küng (rechts) musste sich an der U-17 WM in Jordanien auf ein neues Schiedsrichter-Trio einstellen. (FIFA)

Neben der sportlichen Erfahrung nimmt sie auch viele andere Erinnerungen mit. «Wir besuchten die Stadt Petra, wir waren am toten Meer, und der Austausch mit Menschen aus der ganzen Welt war sehr interessant. Auf jeden Fall hat dieser Einsatz Lust auf mehr gemacht», sagt Susanne Küng, die mit ihren 28 Jahren schon einige Highlights erleben durfte. Im November 2014 war sie im Wembley beim Frauen-Länderspiel England–Deutschland im Einsatz, kurz darauf ging es zu einem WM-Barrage-Spiel nach Trinidad und Tobago. Im Sommer 2015 stand sie beim Champions-League-Final in Berlin zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Paris Saint-Germain an der Linie. Sie und ihre Assistentenkollegin Belinda Brem profitierten dabei vom hohen Standing der Schweizer Schiedsrichterin Esther Staubli, die sie jeweils im Team unterstützten. «Ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen», sagt Küng, «und ich bin dankbar für jedes Spiel, bei dem ich dabei sein darf.»

Früh als Assistentin
Küng, die mit 17 Jahren als Schiedsrichterin begonnen hatte, wurde sehr schnell auf den Weg als Assistentin geführt. «Mir hat das gut gefallen, die Arbeit im Team sagt mir zu.» Nun ist sie schon über zehn Jahre aktiv, sie hat schon U17- und U19-EM-Qualifikationsund -finalturniere durchlebt, doch als 28-Jährige wird sie auf internationaler Ebene noch immer als junge Assistentin eingestuft. Das war mit ein Grund, dass sie und Belinda Brem 2015 im Gegensatz zu Schiedsrichterin Esther Staubli nicht für die WM in Kanada berücksichtigt worden sind. «Das ist ein sehr grosses Format, und da ist es nur logisch, dass Leute mit einer gewissen Erfahrung aufgeboten werden. Für mich ist nachvollziehbar, dass man Schritt für Schritt an eine solche Aufgabe herangeführt werden muss.»

Ein wichtiger Schritt war nun die U17-WM in Jordanien. Natürlich hofft Susanne Küng, dass es für sie jetzt weitergeht, doch grosse Gedanken um eine allfällige Nomination für die EURO 2017 in Holland oder die WM 2019 hat sie sich noch nicht gemacht.

Vorderhand steht wieder der Alltag, der sich für sie in der 1. Liga und in der Promotion League der Männer abspielt, im Vordergrund. Aber natürlich sind die internationalen Spiele für sie, die sehr gerne reist, «ein wichtiger Faktor». Als junge Assistentin hat sie schon sehr vieles erleben dürfen, «und das hilft».

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