Referees

Ein Gymi-Lehrer 
an der Academy

  • 20.09.2016

Seit 1. September steht die «Referee Academy», in der 40 Schweizer Schiedsrichtertalente gefördert werden, unter der Leitung des FIFA-Schiedsrichters Sandro Schärer, der mit diesem 50-Prozent-Pensum beim SFV auch seine eigene Karriere optimal abstimmen kann.

«Fliessend» sei der Übergang zwischen ihm und Alain Bieri verlaufen in den letzten Wochen. Seit 1. September steht der Schweizer Spitzenschiedsrichter Sandro Schärer formell im Anstellungsverhältnis des Schweizerischen Fussballverbandes und leitet dort die «Referee Academy», die sich um die rund 
40 grössten Schiedsrichtertalente der Schweiz kümmert. Bieri hatte sich im Frühjahr entschieden, die Geschäftsführung beim Roten Kreuz des Kantons Bern zu übernehmen, auch deshalb, weil er auf dem Weg zur europäischen Spitze als Schiedsrichter für sich persönlich nicht mehr jene Perspektiven sah wie zu Beginn seines Engagements beim SFV. Schärer bietet als noch junger Referee diese Perspektive wieder an. In der ersten Jahreshälfte hatte sich der gelernte Gymnasiallehrer beim Fussballverband der Region Zürich in einem Teilzeitpensum vor allem um ­Basisarbeit gekümmert, um die An­werbung und Rekrutierung von Neu-Schiedsrichtern, um die Ausbildung an obligatorischen Lehrabenden oder als Referent an Trainerkurse, um die Sensibilität gegenüber den Spielleitern zu erhöhen. «Ich kümmerte mich in einem sehr breiten Spektrum um die Alltagssorgen der Schiedsrichter», fasst Schärer seinen früheren Job zusammen. Dem Zürcher Regionalverband ist er sehr dankbar für die Aufgabe – und er steht ihm auch weiterhin zur Verfügung.

Am richtigen Ort
Nun aber betritt er «komplettes Neuland», statt um die Basis kümmert er sich um die ambitionierten Talente. «Es ist», zieht er einen Vergleich zu seinem ursprünglichen Beruf, «wie wenn ich vom Primar- zum Gymnasiallehrer werde.» Er hat sich nun mit Leuten auseinanderzusetzen, «die ziehen, die ihr Potenzial abrufen wollen und denen ich Lösungswege aufzeigen muss». Schärer, der selbst zu den besten Schiedsrichtern des Landes gehört, sieht sich beim SFV am richtigen Ort. «Ein Spitzenschiedsrichter sollte dort angesiedelt sein und hier wurde in den letzten Jahren ein Riesensprung gemacht.» Schärers Pensum beträgt 50 Prozent und gibt ihm die nötige Flexibilität und Freiheit, die persönliche Schiedsrichterkarriere mit all ihren Anforderungen optimal voranzutreiben.

Die Referee Academy steht in ihrem vierten Jahr und hat sich auch aus der Sicht Schärers als Förderprogramm bewährt. Auf drei Stufen werden die besten Talente aus den Regionen auf nationaler Ebene gefördert. Im Bereich «Basic» erhalten die Schiedsrichter Einsätze in der U18-Meisterschaft, auf Stufe «Development» pfeifen sie primär Partien in der 2. Liga interregional und auf der obersten Ebene «Performance» werden sie in der 1. Liga eingesetzt. Das Programm ist noch jung, und doch haben sich schon erste Erfolge eingestellt – die ersten Talente aus der Referee Academy klopfen an die Tür zur Swiss Football League.

40 Schiedsrichter
In der laufenden Saison 2016/2017 sind 16 Schiedsrichter und 18 Assistenten auf der Stufe «Basic», 15 Schiedsrichter und 13 Assistenten im «Development» sowie neun Schiedsrichter und zehn Assistenten auf der obersten Ebene «Performance» eingeteilt. Jedes Jahr werden die Kandidaten beurteilt, befördert, in ein «Wiederholungsjahr» auf derselben Stufe eingeteilt oder in die Regionen ­zurückgegeben. Es gibt auch Fälle, in denen Schiedsrichter als solche in die Academy kommen, ihnen aber eine Karriere als Assistent nahegelegt wird. Am Grundkonzept der Academy will Schärer, der damit beauftragt ist, eine Analyse des Förderprogramms zu erstellen, nicht viel ändern, er sagt aber, dass er «zwei, drei Gedanken und Ideen zur Optimierung» habe.

Für sein Zeitmanagement mit der eigenen Karriere, die ihn dereinst zum internationalen Top-Referee bringen soll, sieht er keine grossen Unterschiede. «Der Job in Bern ist sicherlich ein Stück fordernder, aber die Flexibilität und die Unterstützung bleiben dieselben.» Sandro Schärer ist seit Anfang dieses Jahres in der UEFA-Gruppe 2 der international tätigen Schiedsrichter eingeteilt, beim SFV hofft man, dass einer der sieben Schweizer FIFA-Refs im Winter den Sprung in die Gruppe 1 schaffen wird. Mit 28 Jahren ist Schärer einer der jüngsten Refs, die schon international pfeifen. Er ist aktuell in einer Phase, in der es gilt, bei den internationalen Einsätzen positive Eindrücke und Bewertungen zu sammeln. Zuletzt stand er bei einem U21-Testspiel Deutschlands in Kassel gegen die Slowakei (3:0) im Einsatz, demnächst leitet er Spiele beim U17-EM-Qualifikationsturnier in Litauen. «Das ist wieder eine Chance, zwei Observer von mir zu überzeugen.»
 

Referee Academy 2016/2017

Performance: Yannick Carrard, Mujo Dedukic, Martin Jäger, ­Maxime Odiet, Patrick Rogalla, Simon Rosset, Markus Schelb, Tobias Thies, Johannes von 
Mandach. – Assistenten:  Spendim Arifi, Luca Bernaroli,  Jonathan Collaud, Frédéric 
Cornuz, Daniel Lopez, Xavier 
Morandi, Sandro Palma, Stefan Reuteler, Linda Schmid, Yannick Wettstein.

Development: Marijan Drmic, Christoph Hagmann, Roman ­Hürlimann, David Huwiler, 
Ilco Jancevski, Michael Jenzer, Anojen Kanagasingam, Ricardo Mateus, Raphaël Porret, Esteban Risi, Michèle Schmölzer, Sandra Strub, Kemal Tasdemir, Patrick von Arx, Daniel Werder. – Dazu 13 Assistenten.

Basic: Clovis Aebi, Deborah Anex, Jonas Biniok, Gianmarco Coluccia, Ritfort Guraziu, Jérémie ­Héritier, Nicolas Hervieu, 
Jonathan Monnin, Tiago Pinto, Hajrim Qovanaj, Nicola Riva, 
Thomas Ruffieux, Luca Schelbli, Angelo Taddeo, Nicolas Tuberosa, Aleksandar Vidic. – Dazu 18 
Assistenten.

(ds/Foto: Keystone)

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