Interview zur SRF-Schiedsrichterserie

  • 30.01.2019

Die SRF-Serie «Das kann ich besser» (Link zur Sendung im Artikel) ging mit einem Beitrag über den Fussball-Schiedsrichter Marko Quarta zu Ende. Patrick Graf, Ressortleiter Schiedsrichter des Schweizerischen Fussballverbands, erzählt, warum ihn die Dreharbeiten sehr beeindruckt haben.

Patrick Graf, wie bilanzieren Sie die Zeit der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehen?

Graf: Sehr positiv. Es war in der Tat eine Zusammenarbeit. Es ging den TV-Machern in keiner Sekunde darum, jemanden bloss zu stellen. Für mich ist die Kernbotschaft des Beitrags: Es ist eben doch nicht so einfach, ein Fussballspiel zu leiten, wie viele meinen. Aber die für den Beitrag verantwortliche Redakteurin Julia Bendlin zeigt nicht mit dem Finger auf all jene, die sich schon lautstark oder wiederholt über Schiedsrichter-Leistungen geärgert haben. Sie fördert auf sensible Art Verständnis für alle involvierten Parteien.

Marko Quarta, der sich für diese Sendung gemeldet hatte, wirkt durchtrainiert und sehr selbstbewusst; trotzdem ist er eigentlich durchgefallen.

Graf: Naja, er hat das Regelwerk wirklich gebüffelt, aber beim Regeltest tatsächlich nicht so gut abgeschnitten, wie er glaubte. Und auch im Spiel unterlief ihm ein regeltechnischer Fehler in einer Szene, die von SRF und SFV bewusst «eingebaut» wurde.

Erstaunlich war und ist, dass ein sicher überdurchschnittlich fitter Mann den Standard-Konditionstest nicht einmal ansatzweise bestand und nach der Halbzeit seines Spiels mit den Kräften ziemlich am Ende war.

Graf: Die physischen Anforderungen hat er klar unterschätzt. In der zweiten Halbzeit war er eher selten auf Ballhöhe. Und er leitete ja nicht YB – Basel, sondern SC Burgdorf – FC Blau Weiss Oberburg. Er war davon ausgegangen, dass er seine Kräfte einteilen könne, weil das Spiel ja nicht abwechslungsweise Torszenen in hohem Rhythmus produzieren würde. Aber er wurde auch müde, weil er seine Augen überall haben musste. Dank der GoPro-Kamera, die er auf sich trug, wird auch ersichtlich, wie viel beim Schiedsrichter los ist, selbst wenn der Ball ruht.

Ein besonderer Moment ist die Begegnung von Marko Quarta nach dem Spiel mit den Fussballern und Trainern. Diese kam auf Ihren Input zustande.

Graf: Ja, ganz spontan. Und mich freute, dass die Spieler ihm trotz einiger Defizite auch ehrliche Komplimente machten. Das war eine Art Krönung der doch zeitaufwändigen Arbeit.

Jetzt ist eine Message: Es ist eben doch nicht so einfach, ein Spiel zu pfeifen. Das fördert das Verständnis für Schiedsrichter insbesondere im Amateur- und Breitenfussball. Aber fürchten Sie nicht die Konsequenz, dass sich fortan viel weniger Leute melden für Schiedsrichter-Kurse und die Leitung von Fussballspielen?

Graf: Der SRF-Beitrag beschönigt nichts, die Ansprüche sind hoch, zweifellos. Aber in den 40 Film-Minuten kommen auch sehr viele positive Facetten dieser Tätigkeit zum Ausdruck, welche bei Weitem überwiegen. Aber ja, es ist möglich, dass sich einige potentielle Interessenten davon etwas abschrecken lassen; ich bin jedoch überzeugt: Eine Mehrheit wird dadurch noch motivierter sein und sich sagen: Das kann ich besser!

(MvA/SFV)

Link zur Sendung: "Ich kann das besser" auf SRF1

 

 

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