Referees

Adrien Jaccottet im Lärm des Wojska Polskiego

  • 29.05.2017

Austauschprogramme haben im Schweizer Schiedsrichterwesen schon eine lange Tradition. Im April wurde ein neues Projekt mit Polen gestartet, bei dem der Schweizer FIFA-Referee Adrien Jaccottet erstmals eine Partie in der polnischen Liga leitete.

Adrien Jaccottet, der 33-jährige Schweizer FIFA-Schiedsrichter leitete im Rahmen des neusten Austauschprogrammes der Schweizer Referees den Match zwischen Legia Warschau und Pogon Stettin. Das Spiel wurde von Legia Warschau, dem Leader in der polnischen Ekstraklasa und auf dem Weg zum 12. Meistertitel, mit 2:0 gewonnen. Jaccottet hatte einen angenehmen Abend, musste nur einmal die gelbe Karte zücken und bilanziert: «Die Spieler zeigten sich ausgesprochen fair und es gab keine Diskussionen.» Das kann daran liegen, dass man einen Schiedsrichter, der nicht schon mehrere Jahre in derselben Liga pfeift, weniger gut einschätzen kann und als Spieler sich erst einmal auf der vorsichtigen Seite bewegt. Dasselbe berichtete nämlich auch der polnische Spielleiter Daniel Stefanski, der am 1. April in St. Gallen das Super-League-Spiel gegen den FC Basel 1893 pfiff und ebenfalls nur positive Eindrücke mit nach Hause nahm.

Austauscheinsätze als Erfahrungswert
Im Gegensatz zu den Austauschprogrammen mit Katar oder Saudi-Arabien, bei denen sich Jaccottet ebenfalls schon beteiligt hat, fehlt beim aktuellen Projekt der exotische Faktor, wie der Basler Referee feststellt. «Die Liga ist durchaus zu vergleichen mit den Verhältnissen in der Schweiz. Was mir in Warschau positiv auffiel, sind die grossartige Stimmung und der enorme Lärm im Stadion Wojska Polskiego.» Jaccottet wird in diesen Tagen auch ein Spiel in Österreich leiten, ein weiteres Wechselsystem der Schweizer Schiedsrichter, das schon seit der Jahrtausendwende besteht und jährlich vier gegenseitig ausgetauschte Spiele in den höchsten Ligen umfasst. Einsätze als Austauschschiedsrichter sind somit willkommene Abwechslungen und auch Erfahrungswerte für die internationale Laufbahn. Nicht nur Jaccottet wird von diesen Austausch­einsätzen profitieren, auch viele seiner Kollegen aus der Schweizer Super League, die über den FIFA-Status verfügen (derzeit sieben Schiedsrichter und zehn Assistenten), können das. Stephan Klossner war jüngst wieder in Katar im Einsatz, die Kollegen aus dem Emirat pfeifen dann hierzulande eine Partie in der Challenge League. Früher gab es auch lose Austausche mit Deutschland, Ägypten und Tunesien. «Wir sind sehr offen für neue Projekte, damit unsere Schiedsrichter ihren Erfahrungsrucksack füllen können», sagt Cyril Zimmermann, Chef des Ressorts Spitzenschiedsrichter beim Schweizerischen Fussballverband. Die Austauschprogramme würden es den Schweizer Refs ermöglichen, neue Länder und Kulturen kennenzulernen und auch den Umgang mit Spielern aus verschiedenen Kulturkreisen zu erlernen. «Das sind alles wichtige Aspekte, um die Schiedsrichter für das internationale Parkett fit zu machen.»

Weitere spannende Geschichten rund um das Schweizer Schiedsrichterwesen findest du in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Schweizer Schiedsrichter"

(ds/nl)

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